Treffen in der Botschaft

13.09.2024

Seit genau einer Woche sind wir jetzt in Ghana, aber es fühlt sich bereits so selbstverständlich an. Mein Heimweh habe ich seit ein paar Tagen erstmal überwunden und beim Wort „Zuhause“ komme ich schon ein bisschen durcheinander, weil es sich bei Zacch mittlerweile so vertraut anfühlt. 

Heute fand eine Informationsveranstaltung in der deutschen Botschaft in Accra statt. Da auch die 10 KulturLife-Freiwilligen von IGI (Inspire Global Ideas, eine andere Partnerorganisation in Accra) dabei waren, haben wir zugesagt. Das Treffen war für 10 Uhr angesetzt, also sind wir über Nacht gereist. Dauda hat uns wieder begleitet, sonst wären wir vollkommen aufgeschmissen gewesen. Gestern um 20:30 Uhr sind wir mit dem Trotro von Offinso nach Kumasi, wo Dauda uns Tuck-Tucks organisiert hat, mit denen wir von der Trotro-Station zum Bus gebrettert sind (ich hatte bei jedem Schlagloch Angst, dass ich aus der offenen Seite kippe) und er hat uns die Tickets besorgt. Um 23 Uhr sind wir dann mit dem VIP-Bus Richtung Accra gestartet. Als wir in den Bus gekommen sind, stand dort ein Priester, der sehr laut gepredigt und anschließend noch gesungen hat. Sein Umhängeschild wies ihn als Mitarbeiter des VIP-Busuntermehmens aus. Wir hatten schon Angst, dass er die ganze Fahrt über weiterreden würde, aber als es losging, war er weg. Im Gegensatz zur Fahrt letzte Woche, wurde in diesem Bus fast keine Musik gespielt, bzw. nur sehr leise. Also konnte ich tatsächlich ein bisschen schlafen und als wir um 4:30 Uhr in Accra angekommen sind und in einer Art Bahnhofshalle noch ein paar Stunden vor uns hingedöst haben, war ich gar nicht sooo müde. 

Dauda ist irgendwann zu sich nach Hause aufgebrochen. Er ist Modedesigner, hat uns ein paar Bilder gezeigt und uns in seinen Laden eingeladen. Dieses Wochenende schaffen wir das wohl aber nicht. 

Wir haben uns dann in ein super nettes Café gesetzt und gefrühstückt, bevor wir zur Botschaft gelaufen sind. Auf dem Weg und gerade in der Nähe der Busstation wurden wir von mehreren Kindern angesprochen, die nach Geld gefragt haben. Das kann ich wirklich sehr schwer ertragen. Wenn so eine Situation vorkam, haben wir, wenn es ging, etwas von unserem Essen abgegeben, aber Geld wollten wir nicht verschenken. Weil es nichts an ihrer Situation verändern würde und wir an anderen Stellen, nämlich an unseren Schulen, nachhaltiger investieren können. Aber das muss ich mir wirklich die ganze Zeit sagen, weil ich so ein schlechtes Gewissen in diesen Situationen habe. Denn theoretisch habe ich ja Geld. 

In der Botschaft mussten wir unsere Ausweise vorzeigen, unser Handy abgeben und durch eine Sicherheitsschleuse, bevor wir das Grundstück betreten konnten. Das war wirklich wie in einer anderen Welt, denn alles war schick und modern und Leute haben mit uns deutsch geredet. Die Veranstaltung war eigentlich ganz nett: Es gab Getränke, der Botschaftsarzt und ein deutscher Polizist haben uns ein bisschen über die Lage in Ghana erzählt (was wir alles schon mehrmals besprochen haben), aber uns auch erzählt, an wen wir uns wenden können und in welchen Fällen uns die Botschaft helfen kann. Und es war cool, die anderen von KulturLife wiederzusehen. Unsere Entsendeorganisation hat über die Hälfte der Freiwilligen ausgemacht, insgesamt waren vielleicht so 30 Freiwillige da. Die anderen haben erzählt, dass sie ein sehr viel strafferes Programm in den Einführungstagen hatten und dass sie das ganze Jahr über, spätestens um 20 Uhr in ihrer Gastfamilie sein müssen. Da waren wir für Zacchs entspannte Art dankbar. Aber ansonsten haben sich die anderen in ihren Gastfamilien auch alle sehr wohl gefühlt. Außerdem haben wir zwei Freiwillige kennengelernt, die auch in Kumasi sind. Sie haben uns gleich einen Schlafplatz bei ihnen angeboten, falls wir uns mal in Kumasi treffen sollten. 

Um 14 Uhr sind wir zum Hostel gefahren, in dem Jenny vorher ein 8er-Zimmer reserviert hatte. Das war ziemlich günstig und dafür sehr sauber und sogar mit eigenem Bad und Dusche. Nachdem wir den ganzen Schweiß und Dreck von der Reise abgewaschen haben, sind Jenny und ich zu Fuß Richtung Strand aufgebrochen. Accra ist in einigen Teilen ähnlich wie Kumasi, mit vollen Straßen, vielen Ständen und ärmeren Häusern. Obwohl man hier, im Gegensatz zu Kumasi, tatsächlich normal gehen konnte und sich nicht durch Menschenmassen schieben oder geschoben wurde.

Aber in anderen Teilen bemerkte man den etwas höheren Lebensstandard hier, denn man sah viele große Häuser mit Mauern, neue Autos und viele moderne Gebäude von Unternehmen. Diese krassen Unterschiede fand ich schon komisch. 

Irgendwann konnten wir das Meer sehen, aber einen Zugang haben wir nicht gefunden. Nur einen, bei dem wir hätten bezahlen müssen. Irgendwann haben uns zwei Männer angequatscht und ihren Laden gezeigt. Die haben dort (wahrscheinlich besonders für Touristen) viel selbst hergestellt: Trommeln, geschnitzte Tiere und Kämme, Masken. Auch Bilder, die auf ein Stoffgewebe gemalt wurden, haben sie verkauft. Die anderen sind zu uns gestoßen und wir haben einen Trommelworkshop bekommen und uns einiges aufschwatzen lassen (die Männer waren wirklich sehr hartnäckig). Aber die Preise waren fand ich angemessen. 

Die Babykatzen liefen dort im Laden herum 🙂

Da muss ich mal kurz ein paar Worte über die ghanaischen Männer loswerden. Wir werden sehr häufig angesprochen, uns werden Komplimente gemacht und nach unserer Nummer oder einem Treffen gefragt. Ich denke schon, dass das damit zu tun hat, dass wir weiß sind und deshalb mehr Geld zu haben scheinen. Einem Typen in Offinso habe ich meine Nummer gegeben, weil ich nicht unhöflich sein wollte, und der hat mich dann fünf mal angerufen und Nachrichten geschrieben wie:“hello angel“ oder „why don’t you pick up your phone, when I call“. In diesem Fall fand ich das sehr unangenehm. Und sie versuchen uns auch häufig an den Händen oder Schulter anzufassen. Da unterstelle ich ihnen jetzt auch keine bösen Absichten, das ist hier glaube ich generell auch normaler. Der eine Typ im Laden jedenfalls hat bestimmt drei Mal nach meiner Hand gefasst und den typisch ghanaischen Check gemacht und auch häufiger nach meiner Nummer gefragt. Und ein Fremder auf der Straße hat das auch versucht und Jennys Hand gar nicht mehr losgelassen, obwohl sie sich mehrmals versucht hat zu befreien. Aber das waren jetzt eher die extremen Erfahrungen der letzten Woche. Viele fragen auch einfach nett oder reden mit uns. 

Irgendwann konnten wir uns jedenfalls aus dem Shop befreien und sind dann zu dem Independence Arch gelaufen, ein Monument als Zeichen der Befreiung von der Kolonialherrschaft. Daneben befindet sich ein riesiger Platz, an dem wahrscheinlich Nationalfeierlichkeiten abgehalten werden. Von dort konnte man immer noch nicht zum Meer, aber wenigstens hatte man von den Tribünen eine gute Aussicht. Abends waren wir noch zu sechst in einem italienischen Restaurant. Die Preise waren für ghanaische Verhältnisse sehr teuer, für europäische günstig bis normal. Aber dafür fühlte es sich wie ein Fünf-Sterne-Restaurant an: Überall wurden einem die Türen aufgehalten, wir bekamen eine kleine, kostenlose Vorspeise und alles sah europäisch-schick und neu aus. Als wir reinkamen, saß genau eine schwarze Familie da, ansonsten waren es nur weiße Besucher. Das war ein komisches Gefühl, weil so offensichtlich sich kaum ein Einheimischer dieses Restaurant leisten kann und wir verdreckt und in Alltagsklamotten wie Könige bedient wurden. 

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