16.11.2024
Vor drei Wochen, Ende Oktober, waren wir vier Mädels in Kintampo und haben uns dort die Kintampo-Waterfalls und ein Monkey Sanctuary angeschaut. Die Fahrt hat wieder viel Zeit in Anspruch genommen, weshalb wir schon am Freitag aufgebrochen sind. Erstmal drei Stunden mit dem Trotro nach Techiman, der nächsten großen Stadt nördlich von Offinso, und dann mit dem Taxi zu dem Monkey-Sanctuary in Boabeng. Dabei handelt es sich um einen geschützten Wald, in dem Gruppen von Monameerkatzen und den größeren Mantelaffen leben. Ein Guide hat uns durch den Wald geführt und wir konnten die Monameerkatzen mit Bananen und Nüssen füttern.

Nach Aussage des Guides soll dies verhindern, dass sie im Dorf das Essen stehlen. Ich persönlich finde das Füttern und damit einhergehendes Anfassen von Wildtieren problematisch, weshalb ich mich etwas zurückgehalten habe. Wegen Krankheiten, die vielleicht übertragen werden könnten und auch weil die Affen dadurch ihre natürliche Scheu und deshalb vielleicht auch den Respekt vor Menschen verlieren. Außerdem hat der Guide berichtet, dass auch Forschungsarbeit dort stattgefunden hat. Im Nachhinein ärgere ich mich ein bisschen, dass ich nicht noch viel mehr Fragen gestellt habe. Nach einer halben Stunde Führung und anschließendem Besuch des Souvenirshops hat uns der Taxifahrer, der auf uns gewartet hat, nach Kintampo gefahren.
Dort hatten wir uns zwei Zimmer in einer Lodge gebucht, bei der großzügigerweise sogar ein Teller Frühstück pro Zimmer inklusive war. Das Gelände der Wasserfälle ist in Privatbesitz und wie ein Park angelegt, auf dessen Rasenflächen beispielsweise Gottesdienste stattfinden. Zu den Wasserfällen hat uns auch ein Guide begleitet, der uns hinterher erzählt hat, dass er auch längere Wanderungen im Umkreis anbietet und die Fotos von Höhlen und Felsen sahen echt cool aus. Vielleicht machen wir das irgendwann mal. Auch die Tour zu den Wasserfällen ging viel zu schnell vorbei, aber besonders der Größere der beiden sah schon ziemlich beeindruckend aus. Justice, der Guide, hat fleißig Fotos von uns gemacht, aber es war etwas schwierig zu verhindern, dass die badenden weißen Touristen mit drauf waren.

Wimmelbild: Wo sind die Holländer?
Weil ich an dem Tag Fieber hatte, habe ich den restlichen Tag im Bett verbracht. Das mit meiner Gesundheit ist hier alles etwas seltsam. Ausschläge, Magenprobleme, Fieber (zum Glück erst drei Mal) und Erkältung lösen sich untereinander ab. Ich habe gar nicht dass Gefühl, dass es hygienisch hier so viel anders ist, aber mein Immunsystem sagt da etwas anderes. Das Fieber war am nächsten Tag übrigens wieder so schnell verschwunden, wie es gekommen war.
Der Rückweg ging viel schneller als gedacht, weil wir uns in die etwas teureren 7-Sitzer-Trotros gesetzt haben. Die sind doch etwas flotter unterwegs, als die mit 19 Personen beladenen Kleinbusse. Auch, weil nicht so häufig angehalten werden muss, um Leute rauszulassen oder neue einzusammeln. Und erneut fühlte es sich wie nach-Hause-Kommen an, als wir wieder auf dem Gelände der Stepping Stones Academy standen.
Am nächsten Wochenende waren wir gleich wieder unterwegs: Da haben wir unsere Residence und Work Permit beantragt. Am Donnerstagmorgen sind wir nach Accra aufgebrochen und haben erst am Abend vorher mit Zac unsere Dokumente zusammengesucht. Weil Stromausfall war, konnten wir die vergessenen Sachen, wie zum Beispiel meinen Lebenslauf, nicht mehr ausdrucken, aber das war laut Zac kein Problem. Er kennt jemanden aus dem Immigration-Office, die uns die Permit ausstellt und so konnten wir ihr auch noch im Nachhinein ein paar vergessene Dokumente zukommen lassen. An der VIP-Bussstation in Accra hat uns wieder Dauda in Empfang genommen. Er wieder nur zwei Worte mit uns gewechselt und uns ein Taxi zum Immigration Office organisiert. Die Permit kostet 6400 Cedi, was etwa 380 Euro entspricht. Da der Automat uns das Geld als 100er- und 50er-Scheine ausgespuckt hat, war das wirklich ein Batzen Geld und ich habe mich beinahe so gefühlt, als ob ich etwas Verbotenes tue.

Nachdem wir unsere Dokumente und Reisepässe im Immigration Office gelassen hatten, haben wir uns auf die Suche nach etwas Essbarem gemacht. Auf meine Frage an Dauda, wie es jetzt mit der Permit und unseren Pässen weitergeht, hat er nur geantwortet: „Don‘t worry about that“. Erst später haben wir uns zusammengereimt, dass es noch ein paar Wochen dauert. Aber wie wir alles wiederbekommen, weiß ich immer noch nicht.
Anschließend sind wir in das Hostel gefahren, das Mathis, Ruben, Caro und ich uns für die Nacht gebucht hatten. Das „Somewhere Nice“ ist, wie sich herausstellte, ein etwas alternatives Hotel, das vor allem von Touristen besucht wird. Es war das erste Mal seit dem Treffen in der Botschaft knapp zwei Monate zuvor, dass ich so viele weiße Leute auf einem Fleck gesehen habe. Vereinzelnd vielleicht in der Kumasi Mall, aber in Offinso beinahe nie. Abgesehen von den badenden Holländern im Wasserfall (da habe ich mich eher geschämt), ist es immer so ein komisches Gefühl der Freude, Interesse und irgendwie auch des Zusammengehörens. Obwohl ich die Locals hier natürlich als Personen kennenlerne und schätze und mir deshalb im Alltag nicht so viele Gedanken über Hautfarben mache, wird sie mir irgendwie bewusster, wenn ich wieder andere weiße Menschen sehe. Da kann ich mir vielleicht etwas besser vorstellen, wie es sich anfühlt, als Person mit einer anderen Hautfarbe als weiß in Deutschland zu leben. Obwohl diese Leute deshalb häufig mit negativen Vorurteilen überschüttet werden, wohingegen wir hier ja beinahe als höhergestellt behandelt werden. Also das selbe ist es auf jeden Fall nicht.

Unser 8-Bett-Zimmer im Somewhere Nice
Am nächsten Tag fand die Geburtstagsfeier von Katrin, einer der IGI-Freiwilligen, in Winneba statt. Mathis, Ruben und Caro wollten hinfahren. Sie hatten sich gemeinsam mit ein paar anderen Leuten von unserer Entsendeorganisation ein Ferienhaus gebucht. Winneba liegt etwa zwei Autostunden entfernt von Accra am Meer und ich wollte mir den Ort sehr gerne einmal anschauen. Da ich ja aber nicht so der Partytyp bin und eh keine Umbuchung im Ferienhaus mehr möglich war, habe ich mir kurzerhand alleine ein Zimmer in einer Lodge gebucht. Am Freitag waren wir noch in einem großen Malcom-Supermarkt in Accra, weil die anderen ihre Einkäufe fürs Wochenende erledigen wollten. Ich habe mir bei der Gelegenheit ein paar Tennisbälle zum Jonglieren gekauft, und getrocknete Linsen für einen Brotaufstrich.

„A privileged shopping experience“ beschreibt eigentlich ganz gut, dass kaum ein Ghanaer es sich leisten kann, hier einzukaufen. Nur wir privilegierten Weißen natürlich.
Wegen den völlig verstopften Straßen in Accra, war ich erst um 17:30 Uhr in meiner Unterkunft. Und natürlich lief wieder nicht alles glatt: Erstmal war die Lodge auf Google Maps auf einem anderen, verlassenen Gebäude verzeichnet, aber ich habe zum Glück jemanden gefunden, der mir den Weg gezeigt hat. Dann war niemand Zuständiges auf dem Gelände und der Gärtner musste die Rezeptionistin anrufen, die erst eine halbe Stunde später da war. Und die wiederum musste ihren Chef anrufen, weil sie nicht wusste, wie viel ich zahlen muss. Er wusste es auch nicht und so habe ich den US-Dollar-Preis aus meiner Buchungsbestätigung online umgerechnet. Das Zimmer entpuppte sich als ganze Ferienwohnung mit Sofa, Esstisch, Fernseher, Bad und ghanaischer Küche, die ich aber möglichst nicht betreten habe, weil dort Kakerlaken rumliefen und der Kühlschrank geschimmelt hat. Aber ansonsten war es echt gut. War ein schönes Gefühl, nach zwei Monaten mit ständig Menschen um mich herum, mal richtig alleine zu sein. Die Rezeptionistin war super nett und hat mir sogar noch ein Taxi bezahlt, das mich zu einem Restaurant gefahren hat, sodass ich mir noch etwas zu essen kaufen konnte. Sie war sehr darauf bedacht, dass ich ihr eine gute Bewertung da lasse.

Am nächsten Tag habe ich einen langen Spaziergang am Strand entlang gemacht, war schwimmen und abends noch mit ein paar anderen Freiwilligen meiner Organisation essen. Der Tag war viel zu schnell vorbei und hat sich angefühlt wie Ferien. Auch, weil es durch den Sand und die Salzwasser-Luft genau wie in Dänemark gerochen hat. Und ich fand es auch deshalb schön, weil ich mal mein eigenes Ding machen konnte und der Trip nicht, wie unsere bisherigen Ausflüge, von den anderen geplant und gebucht wurde.




Am Sonntagmorgen bin ich mit Ruben, Mathis und Caro wieder nach Offinso aufgebrochen.
Unsere Einkäufe mussten wir allerdings in unserem Hängeregal unterbringen, weil an dem Wochenende eine Maus in unser Zimmer eingezogen ist und meine Erdnüsse, unsere Ferigsuppen und unser Klopapier angeknabbert hat. Jetzt lauschen wir abends immer paranoid und haben nach jedem Knistern und Scharren unser Zimmer einmal auf den Kopf gestellt. Gesehen haben wir sie nur an einem Abend und da haben wir sie mit viel Geschrei und Gilberts und Zabinas Hilfe aus Inga und Jennys Zimmer gejagt.