Der erste Blog im Jahr 2025 – Und der Januar ist schon um. Nach den Weihnachtstagen in Offinso sind Inga und ich nach Accra gefahren, um ihre Mutter und Emma vom Flughafen abzuholen. Emmas Flug kam um halb ein Uhr nachts, sodass ich erst in unser Hotel eingecheckt habe und nachts mit dem Taxi zum Flughafen gekommen bin, um sie abzuholen. Ich war irgendwie richtig aufgeregt, sie wiederzusehen. Beinahe hatte ich Angst, dass wir uns ein bisschen fremd geworden sind, denn die Erinnerung generell an mein deutsches Zuhause verschwimmt nach und nach. Ich weiß schon, dass meine Familie da ist, aber sie ist einfach nicht mehr so präsent. Im Nachhinein hat sich meine Sorge als unbegründet herausgestellt – Schon nach fünf Minuten hat es sich so angefühlt, als wären wir beide nie getrennt gewesen. Und ich habe wieder einmal festgestellt, dass ich niemanden in der Welt so gerne habe, wie meine Schwester. Sie hatte mir ordentlich was mitgebracht: Fahrrad- und Gitarrenzubehör von Mama und Timo, ein Buch, Süßigkeiten und einen neuen Fußball für meine Klasse von Tante Conny und Essen, das ich hier schon vermisst habe: Rote-Beete-Aufstrich, Vollkornbrot und die Kekse aus der Ehlershäuser Weihnachtsbäckerei, bei der ich dieses Jahr leider nicht dabei sein konnte. Zum Glück hat alles reingepasst in meinen Rucksack.
Wir haben ganz entspannt ein paar neue Winkel in Accra erkundet, zum Beispiel den Memorial-Park des ersten Präsidenten Kwame Nkrumah…

… oder das National Culture Center, in dem ghanaische Handwerkskunst und Souvenirs verkauft werden.

Und falls es jemand noch nicht auf meinem Profilbild gesehen hat, ich habe mir auch meine Haare abgeschnitten. Und ich bereue es wirklich nicht, denn Haarewaschen, kämmen, Frisuren – alles ist viel einfacher und kühler am Kopf ist es auch. Das witzigste ist, dass ich wegen meinen Hosen und fehlenden Ohrringe manchmal für einen Jungen gehalten werde. Wenn mir dann jemand hinterher ruft: „White man, white man!“, dann muss ich doch schmunzeln. Ich weiß nicht, ob ich es ohne Emmas seelischen Beistand gemacht hätte 🙂

Für vier Tage sind wir nach Cape Coast gefahren. Dort haben wir uns das Cape Coast Castle, eine ehemalige Sklavenburg, angeschaut. Die Geschichte der Burg fand ich sehr eindrücklich und sie hat mich einmal mehr an der Menschheit zweifeln lassen. Zu dem Thema schreibe ich in meinem nächsten Eintrag etwas genauer.

An dem Tag hatte ich meine gute Kamera dabei und habe munter Bilder gemacht, bis mir erst beinahe am Ende aufgefallen ist, dass ich meine Speicherkarte gar nicht dabei hatte. Aber zum Glück hat Emma das eine Foto gemacht.
Wir waren außerdem im Kakuum-Nationalpark, der etwa ein halbe Stunde mit dem Auto von Cape Coast entfernt liegt. In dem leben theoretisch auch größere Säugetiere, wie Affen und Elefanten – allerdings, wie bei den Löwen im Molepark, eher tiefer im Reservat. Emma und ich haben eine Führung zu Fuß durch den Park mitgemacht, in dem wir viel über die Pflanzen und ihre Nutzungsmöglichkeiten erfahren haben. Interessant fand ich auch die Vögel, die wir gehört haben, eine Art klingt zum Beispiel wie ein Zikadenschwarm. Das Highlight des Parks ist der Baumwipfelpfad, der hoch über dem Regenwald gespannt ist und auf dem wir eine unglaubliche Aussicht hatten.




Hinter unserem Hotel in Cape Coast, dem Baobab House, steckt ein gemeinnütziger Verein, der eine Schule betreibt und verschiedene nachhaltige Projekte, zum Beispiel in der ökologischen Landwirtschaft, unterstützt. Viele der Artikel aus dem Souvenirshop, Restaurant und Hotel sind in den Projekten selbst gemacht worden, unter anderem auch die Federmappen aus recycelten Wasserbeuteln. Hier in Ghana wird ja, wie ich bereits geschrieben habe, nur helles, süßes Brot gegessen, doch im Baobab House haben sie selber dunkles Brot gebacken und es hat himmlisch geschmeckt.
Emma ist auch zu einer sehr passenden Früchte-Zeit gekommen: Grade hatte die Mango- und Ananas-Season angefangen und Avocados gab es auch so langsam. Und dass wir den einen Abend eine Kokosnuss am Strand geschlürft und den Sonnenuntergang bewundert haben, war auch etwas ganz Besonderes. In Deutschland werde ich nie wieder all die tropischen Früchte essen können, ohne daran zurückdenken zu müssen, wie lecker sie eigentlich schmecken.

Das Emma wieder wegfliegen musste, hat mich doch wieder richtig traurig gemacht. Die Woche mit ihr war einfach so unkompliziert und Emma so begeistert von Ghana und ihrer Reise, dass mir die Zeit mit ihr total gut getan hat.
Zum Glück hatte ich in der letzten Ferienwoche genug Ablenkung. Ich war mit Pauline und Leon, zwei Freiwillige von meiner Organisation, in der Voltaregion unterwegs. Da sind wir zu zwei großen Wasserfällen gewandert, den Wli-Fällen und den Tagbo Falls. Die Wli-Fälle sind schon auf dem Gebiet von Togo, die Grenze besteht aus einem kleinen Fluss. Teilweise war der Weg von Bäumen gesäumt, die in der Trockenzeit ihre Blätter verlieren und manche Bergkuppen wurden von den Hirten abgebrannt, damit die Kühe das frisch nachwachsende Gras essen konnten. Dadurch war manchmal kein Grün zu sehen und es sah aus wie im Winter, nur dass die Sonne auf uns heruntergebrannt hat. Das war ein sehr seltsames Gefühl. Auf den höchsten Berg Ghanas sind wir auch gestiegen, aber das hört sich abenteuerlicher an, als es ist, denn der Berg ist nur 590m hoch.




Eine Nacht haben Pauline und ich in Kpandu verbracht und der Abend hätte der Anfang eines Horror-Films sein können. Pauline hatte ein Hotel über Booking reserviert, aber als wir an der Adresse angekommen sind, war dort nur ein leeres, zugewuchtertes Grundstück. Ein paar Minuten die Straße runter gab es laut Google Maps aber noch ein anderes Guesthouse, also sind wir dort hingelaufen. Das war ein zweistöckiges Gebäude mit einer riesigen Eingangshalle, die bis ins Obergeschoss reichte und vollkommen verlassen war. Nach einer Viertelstunde Warten ist uns schließlich doch ein Mitarbeiter über den Weg gelaufen und hat uns ein Zimmer für die Nacht angeboten – Ich glaube wir waren die einzigen Gäste. Das Zimmer sah erstmal sehr sauber und geräumig aus, aber dann hat sich herausgestellt, dass der Zimmerschlüssel fehlte. Der Angestellte wollte uns noch überzeugen, dass wir dem Hotel ja vertrauen könnten, aber wir haben lieber das Nachbarzimmer genommen. Das war nicht ganz so schön und auf den zweiten Blick stellte es sich das Badezimmer als etwas ecklig heraus, aber für den Preis von 5 Euro pro Person fanden wir es für die eine Nacht okay. Den Nachmittag haben wir sowieso in einem nahegelegenen Monkey-Sanctuary verbracht und als wir zurückgekommen sind, war es schon dunkel. Erneut sind wir niemandem begegnet, aber als wir später im Bett lagen, hat plötzlich jemand unsere Türklinke heruntergedrückt. Ich hatte zum Glück in weiser Vorraussicht die Tür abgeschlossen. Wir haben noch darüber gescherzt, ob wir jemals lebend aus dem Hotel herauskommen. Morgens hat sich unsere aufgestellte Theorie über den abendlichen Besuchsversuch dann bestätigt: Die Mitarbeiter schlafen selbst auch in den zu vermietenden Räumen und da hat jemand unseren Raum wohl mit einem potentiellen Schlafzimmer verwechselt. Irgendwie waren wir froh, aus dem Haus raus zu sein und haben uns an dem Tag wieder auf den Weg in den Süden gemacht. Das mit dem Hotel war übrigens eine Ausnahme, bis jetzt waren alle Zimmer, in denen ich sonst so übernachtet habe, sauber und das Personal professionell und immer super hilfsbereit und zuvorkommend (und auch im Geisterhotel waren die Leute ja nicht unfreundlich).


Nach den zwei Wochen Urlaub habe ich mich wieder super auf die Schule gefreut, aber natürlich war ich gleich am Montag erkältet und bin deshalb die ganze Woche zuhause geblieben. In der Woche in der Emma da war, war ich auch für ein paar Tage krank und deshalb war ich spätestens am Donnerstag ganz schön genervt von meiner Gesundheit. Aber wenigstens wurde es nichts Schlimmeres und in der nächsten Woche war ich auch wieder fit.