22.12.2024
Am Donnerstag war der letzte Schultag und auch schon am Mittwoch war in der Schule nicht mehr viel los. Alle Klausuren waren geschrieben und Eric hatte nichts weiter geplant, außer den Schülern die Noten zu geben. Also habe ich wieder meine Buntstifte und ein paar Mal-Ideen mitgebracht und wir haben Creative Arts gemacht. Darüber freuen sich besonders die Jungs, was ich richtig schön finde. Wir haben auch ein Bodypercussion-Stück mit drei verschiedenen Rhythmen zusammen gemacht, das ich auf Youtube gefunden habe. Nach ein bisschen Übung hat das auch ganz gut funktioniert. Und ich wollte mit ihnen Menschen-Memory ausprobieren. Es hat mich überrascht, dass das Prinzip allen recht schnell klar war, aber es wurde trotzdem total chaotisch, weil es vielen glaube ich zu langweilig war, dazusitzen und zuzuhören. Trotz der Lautstärke haben wir es bis zum Ende geschafft. In der zweiten Runde wollten zwar alle Raten, aber niemand als Memorykarten herhalten: Die meisten Mädchen sind auf dem Schulhof verschwunden und die Jungs fanden das Handyspiel von Eric interessanter. Aber ich habe nicht versucht, sie aufzuhalten, weil ich an dem Tag etwas mit ihnen machen wollte, das allen Spaß macht und nicht anfangen, groß herumzuschreien (das habe ich in der ersten Runde schon genug gemacht). Deshalb habe ich mit den vier verbleibenden Kindern ein Lied gesungen, das ich aus dem Chor kannte (den Mango-, Kiwi-, Ananas- und Bananen-Kanon) und anschließend noch ein Creative Arts-Projekt mit ihnen angefangen. Da sind dann nach und nach wieder alle angekommen.


Die Notenverkündung lief ganz gesittet ab. Eric hat alle nacheinander aufgerufen, ihnen einen Umschlag mit Klausuren und Notenbogen gegeben und alle haben artig applaudiert. Anschließend hat er noch die besten Schüler:innen verkündet. Ich habe noch ein paar Süßigkeiten verteilt, Bonbons und Lollies aus der Kumasi Mall und kleine Schoko-Weihnachtsmänner, die Oma mir geschickt hat. Die sind auf dem Transport nach Ghana ein bisschen angeschmolzen und haben deshalb interessante Formen angenommen. Aber sie haben immer noch himmlisch geschmeckt. Die Reaktion der Kinder war ähnlich überschwänglich: „Thank you, Madam“, „God bless you, Madam“. Dabei geben sie uns dauernd etwas von ihren Keksen ab und bringen uns Obst mit. Es tat mir richtig im Herzen weh, dass eine kleine Aufmerksamkeit von mir so etwas Besonderes für sie ist. Auch die Aufmerksamkeit, die ich beim Fahrradfahren durch die Orte bekomme fühlt sich einfach falsch an, denn wofür bekommen ich sie? Einfach nur, weil ich weiß bin. Ich habe das Gefühl, als würden sie mich überhöhen und sich selbst gleichzeitig abwerten. Und das sollte nicht so sein, denn ich bin nichts Besonderes oder Besseres. An so einem kleinen Detail merkt man finde ich auch, wie ungerecht die Welt ist und was für falsche Muster sich nch und nach eingeschlichen haben. Über dieses Thema habe ich sicherlich schon mal in diesem Blog geschrieben, aber ich habe mir bei diesen beiden Situationen wieder mehr Gedanken deswegen gemacht.
Und wir haben bereits einen Schulbus gefunden, den Zac mit dem angezielten Spendenbetrag kaufen kann. Es ist ein gebrauchter Kleinbus, der als Trotro eingesetzt wurde und deshalb 20 Sitzplätze hat, auf denen die 50 Kinder alle mehr oder weniger Platz finden. Der Besitzer des Busses wollte ihn möglichst schnell loswerden, um seinem Sohn ein Flugticket nach Großbritannien zu kaufen, der dort ein Stipendium bekommen hat. Das ist tatsächlich ein sehr großer Wunsch von vielen Ghanaern, nach Europa zu gehen. Ich werde auch häufig angesprochen, ob ich nicht jemanden mitnehmen kann und eine Frau wollte unbedingt meine Haushälterin werden. Auf jeden Fall hat Zac dem Besitzer eine Anzahlung von 10.000 Cedis gemacht, die er von einem ehemaligen Freiwilligen bekommen hat, und am letzten Schultag war er zum ersten Mal im Einsatz. Ich bin ja Fahrrad gefahren, aber Caro hat erzählt, wie sehr die Kinder und auch die Lehrerin, die immer bei uns mitfährt, sich über den neuen Schulbus gefreut haben. Ein Foto folgt noch, ich habe immer noch kein schönes gemacht.
Am Freitag sind Caro und ich dann nach Kumasi gefahren, um das Geld abzuheben, was bis jetzt auf GoFundMe zusammengekommen ist. Das waren um die 3200 Euro, also umgerechnet etwa 50.000 Cedis. In Offinso kann man am Automaten immer nur 1000 auf einmal holen, also sind wir zu einer größeren Bank nach Kumasi. An der ersten Bank konnte man nur 3.000 Cedis auf einmal abheben und das Geld kam in Fünfziger raus, also sind wir nach dem vierten Durchlauf (12.000 hatten wir schonmal) zu einer anderen Bank gefahren. Dort wurde angezeigt, dass das Limit von Caros Karte bei 1.000 Euro liegt. Mit meiner Visakarte habe ich es auch ein paar Mal erfolglos versucht, bis uns eine Mitarbeiterin mitgeteilt hat, dass der Automat gar nicht funktioniert. Da haben wir Zac angerufen und er meinte, dass die 12.000 auch erstmal reichen. Wir sind mit ihm dann so verblieben, dass es günstiger ist, wenn Caro das Geld auf das Konto der Promised Land Academy überweist und Zac es später in Kumasi abhebt. Weil es schließlich schon fast ein Uhr war, sind wir wieder in die Mall gefahren und haben Burger gegessen (die hatten dort die geniale Idee, den vegetarischen Burger mit einer Kartoffelecke als Patty zu machen). Dann wollten wir gemütlich wieder zur Trotro-Station zurück, was normalerweise vielleicht eine dreiviertel Stunde dauert. Es war aber so viel Verkehr, sodass der Taxifahrer einen Umweg gefahren ist und wir schließlich über zwei Stunden gebraucht haben. Die Weihnachtsferien hatten gestern ja angefangen und der Fahrer meinte, dass deshalb alle nach Kumasi zum Einkaufen oder Weiterreisen fahren. Die Schlange für die Trotros nach Offinso war dementsprechend lang, aber um 17 Uhr saßen wir dann endlich im Bus zurück. Sogar auf den Premium-Sitzen ganz vorne neben dem Fahrer.

Ich hätte gerne einmal 50.000 Cedi in der Hand gehalten, aber die 12.000 waren auch schon ein ganz schöner Haufen.
Im Nachhinein war es ein etwas unnötiger Ausflug, aber wenigstens lustig (das ist es eigentlich immer mit Caro). In die erste Bank sind wir vorher reingegangen, um zu fragen, ob sie uns die 50.000 auch so herausgeben können, ohne dass wir den Automaten benutzen müssen. Meine Aussage war also: „We want to withdraw a lot of money. We want to buy a car“. Die Mitarbeiterin hat uns etwas verdutzt angeschaut, aber meinte dann, dass wir es doch am Automaten machen müssen. Mit den 12.000 sind wir dann über den Markt gelaufen zum nächsten Taxistand und da habe ich mir zur Sicherheit den Rucksack nach vorne genommen und schützend meine Arme verschränkt. Ich hab mich richtig gefühlt, wie ein deutscher Tourist. Und als wir mittags im Restaurant saßen und in ein ernstes Gespräch vertieft waren, hat uns der Kellner sehr diskret ausgerichtet, dass die beiden jungen Männer am Nachbartisch sich gerne zu uns setzen würden. Wir haben ihn erst akustisch gar nicht verstanden und nachdem wir den Sinn begriffen hatten, konnten wir unser Lachen nicht unterdrücken. Es war sicher nicht sehr nett den beiden Typen gegenüber, aber die Situation war einfach zu komisch. Die beiden haben uns die ganze Zeit über nicht eines Blickes gewürdigt.