17.12.2024
Letzte Woche haben wir vier Mädels uns Urlaub genommen, um in den Mole-Nationalpark zu fahren. Das ist der größte Nationalpark Ghanas. Zwei Wochen davor habe ich dann allerdings Halsschmerzen bekommen, was sich schließlich (wahrscheinlich) als eine Streptokokken-Infektion herausgestellt hat. Rechtzeitig für unseren Urlaub war ich wieder fit, aber ich hatte doch ein schlechtes Gewissen, nach zwei Wochen Krankheit noch eine Woche wegzubleiben. Für mein Immunsystem war es aber wahrscheinlich besser so, als gleich wieder von Kindern angehustet zu werden.
So sind wir auf jeden Fall am Freitag dem 29.11. in den Norden aufgebrochen. Von Kumasi aus haben wir einen VIP-Bus nach Tamale genommen und sind zwischendurch ausgestiegen, da der Park weiter westlich liegt. Nach einer Trotro- und Taxifahrt sind wir schließlich im Park angekommen. Schon auf der Fahrt ist mir die Veränderung der Vegetation aufgefallen: Statt grünen Palmen und dichten Bäumen sah man immer mehr trockenes Grasland und kleine, dornige Büsche. So wie man sich eine afrikanische Savanne eben vorstellt. Auch die Temperaturen hatten sich verändert. Tagsüber war die Temperatur mit 35 Grad ähnlich wie in Offinso, aber nachts wurde es richtig kalt, eher um die 17 Grad. Diese Veränderungen haben mich richtig erstaunt, weil wir ja einfach nur 8 Stunden in den Norden gefahren sind.

Außerdem habe ich festgestellt, dass die Menschen in der Gegend um den Molepark herum doch mit sehr viel weniger Wohlstand leben. Dagegen fühlte sich Offinso beinahe wie eine Luxusstadt an. Ich habe dort auch zum ersten Mal in Ghana Rondavels gesehen – die runden Hütten, die man sofort mit Afrika in Verbindung bringt.

Im Molepark hatten wir uns für 4 Nächte ein Hotelzimmer gebucht. Die Hotelanlage ist schon etwas älter, aber sehr gut im Schuss. Nur ein paar Minuten Fußweg entfernt befindet sich das Information Center, von dem aus die Safaris starten. Beides liegt auf einer Anhöhe, von der man einen unglaublichen Ausblick auf den Park hat.


Und es war so angenehm, einmal die Stille genießen zu können. Es waren relativ wenige Gäste dort, also kein Vergleich zu dem Lärm in Offinso: Kinder, die auf dem Schulhof spielen, Stimmengewirr beim Kochen und die vielen Leute, die bei uns ein- und ausgehen und doch sehr viel lauter reden, als wir es in Deutschland tun würden. Ich finde es total gut, das einmal kennenzulernen und man gewöhnt sich auch daran. Mittlerweile denke ich, dass es bei uns in Deutschland auch etwas extrem ist, wie ruhig es immer sein muss. Kein Rasenmähen am Sonntag, nur so laut reden dass man gerade so verstanden wird und eine Party bis Mitternacht wird schon gleich als Ruhestörung betrachtet (hier würde die Polizei gleich wieder auflegen, wenn man sich über eine schreiende Frau um vier Uhr morgens vor dem Fenster beschwert).
Aber die Stille im Molepark habe ich trotzdem sehr genossen. Ich hatte, um Gewicht zu sparen, mein Ipad und Buch zuhause gelassen und habe deshalb viele Stunden mit Jonglieren zugebracht.

Von den Rangern des Parks werden verschiedene Safaris angeboten: Man kann zu Fuß gehen, mit dem Jeep fahren oder eine Jeepsafari abends im Dunkeln machen, jeweils immer für zwei Stunden. Wir vier haben alles einmal ausprobiert. Besonders die Fußsafari fand ich richtig schön. Die Natur kann man zu Fuß einfach mehr genießen und ich hatte genügend Zeit, um Fotos zu machen.

Wenn wir Elefanten gesehen haben, waren wir allerdings immer mit dem Jeep unterwegs, sind dann ausgestiegen und haben uns ihm zu Fuß genähert. In Südafrika habe ich zwar Elefanten auch relativ dicht gesehen, aber da saßen wir immer im Auto. Einem so beeindruckenden Tier 10 Meter entfernt ungeschützt gegenüberzustehen hat mir sehr viel Respekt eingeflößt. Zu der Zeit waren nur die männlichen Elefanten in der Nähe des Wasserlochs am Hotel unterwegs, die Herden der weiblichen Tiere haben tiefer im Park mit ihren Jungtieren Schutz gesucht. Die Elefanten verstecken sich auch gerne im Busch, um der Hitze auszuweichen, was das Fotografieren etwas erschwert hat. Aber am letzen Tag hat ein Elefant vor uns die Straße überquert. Ansonsten haben wir einige Krokodile, mehrere Arten von Antilopen, Warzenschweine, Affen und viele verschiedene Vogelarten gesehen. Manches waren auch Zugvögel, die ich aus Deutschland kenne, zum Beispiel den Graureiher. Besonders die blauen Glanzstare fand ich richtig schön.












Die Warzenschweine, Antilopen und Affen laufen auch auf dem Gelände des Hotels frei herum. Selbst einen Elefanten haben wir abends bei den Wohnhäusern der Park-Mitarbeiter gesehen. Die Paviane sind dabei besonders angstfrei: sie suchen in den Mülleimern nach Essen und klauen alles, von dem sie denken, dass etwas Essbares darin sein könnte. Selbst Türen können sie öffnen, wie uns ein Mitarbeiter des Hotels erzählt hat. Morgens, als wir draußen gefrühstückt haben, sind einmal zwei Paviane auf unseren Tisch gesprungen. Ich habe versucht, unser Frühstück zu verteidigen: Erst laut gerufen, aber das hat sie gar nicht interessiert. Dann habe ich den einen mit meiner Plastikflasche beworfen und als er vor mir auf dem Tisch stand, versucht, ihn wegzuschieben. Es hat alles nichts genützt und er hat mein Toast mitgenommen. Am selben Tag sind sie auch in die Hotelküche eingedrungen, haben eine Ketchup-Flasche von einem Tisch draußen geschnappt und Inga unsere Mülltüte aus der Hand geschlagen. Aber aggressiv waren sie nie, nur immer auf der Suche nach Essen.
Ich habe auch einige Safaris ohne die anderen gemacht, zum Beispiel zwei Fußsafaris am Morgen. Immer um 7 Uhr und um 15:30 Uhr beginnen die Safaris und dann kann man sich mit anderen Besuchern zusammentun und entweder einen Jeep bezahlen oder eben laufen. So habe ich ein paar nette und interessante Leute kennengelernt: Eine Professorin aus Kanada; eine junge Schweizerin, die eine Weltreise alleine unternimmt; ein älteres deutsches Ehepaar, die Verwandte besuchen; eine Medizinstudentin; einen ghanaischen Fotografen und eine Deutsche und ihren Mann von der Elfenbeinküste, die einmal in Südafrika ein Hotel betrieben haben und viel durch Afrika reisen.
Nach den vier Nächten in gemütlichen Betten wollten Inga und ich ein Abenteuer wagen und die zwei darauffolgenden Nächte campen. Dazu haben wir uns Zelte und Isomatten ausgeliehen und uns auf dem Campingplatz gegenüber des Information Centers eingemietet. Natürlich lief nicht alles glatt. Der Typ, der eigentlich die Matten verleiht, war nicht da, sodass ein Ranger abends nocheinmal bei ihm vorbeifahren musste. Wir hatten auch nach Decken gefragt, die sie dann allerdings doch nicht organisieren konnten. Und das Wasser am Campingplatz für Toilette und Dusche funktionierte am ersten Abend auch nicht. Zum Glück hat uns dann aber Alice, die Mitarbeiterin des Souvenirshops, mit zu sich nach Hause eingeladen, uns Decken herausgesucht und ein paar Eimer Wasser bereitgestellt, mit denen ich mir meine mit denen ich mir meine Haare waschen konnte (es hat erstaunlich gut funktioniert). Und für den nächsten Abend hat sie uns zum Fufu-Essen eingeladen.


Weil es in der Nacht so kalt wurde, habe ich mir trotz der Decke und meinem Schlafsack nach und nach meine beiden langärmlige Hemden, meinen Pullover und zwei lange Hosen angezogen. Trotz des etwas harten Untergrunds habe ich gut geschlafen; Inga leider nicht. Aber wenigstens sind wir den Bettwanzen entkommen, die uns im Hotel heimgesucht haben. Am letzten Tag habe ich mich über die 50 Mückenstiche an meinen Beinen gewundert und den entscheidenden Hinweis auf die Wanzen schließlich von der deutschen Safari-Teilnehmerin bekommen. Naja.
An diesem Tag haben wir auch die Moschee in Larabanga besucht. Sie ist eine der ältesten Moscheen in Westafrika und wurde im 15. Jahrhundert gebaut. Ich hatte ein Taxi organisiert, das uns vom Park nach Larabanga gebracht hat, der Ort liegt etwa 10 Minuten mit dem Auto entfernt. Dort hat uns sofort ein Guide in Empfang genommen und wir haben ca. 1 Euro für die Führung bezahlt. Eigentlich wollten wir diese Caro und Jenny zusammen machen, aber der Guide wollte nicht auf sie warten. Also sind wir zur Moschee gelaufen und er hat uns fünf Minuten etwas über ihre Geschichte und Legenden, die sich um sie ranken, erzählt. Angeblich wurde sie von einem Propheten errichtet, der sich bei einem mystischen Stein schlafen gelegt, dort das Fundament gesehen und daraufhin die Moschee errichtet hat. Der Guide hat uns zurück zum Taxi gebracht, nachdem wir noch kurz ein paar Fotos machen durften. Wir hatten uns schon Gedanken gemacht, ob wir mehr als drei Stunden brauchen und rechtzeitig zum Mittagessen wieder da sind. Am Ende waren wir nicht einmal eine Stunde da. Aber für das Foto hat es sich gelohnt:

Am letzen Abend haben wir dann tatsächlich bei Alice Fufu gegessen, einer der Ranger war auch dabei. Es war ein richtig netter Abend und Alice hat ein bisschen von sich erzählt: Sie kommt aus einem Dorf weiter westlich vom Park und hat dort im Shop nach der Schule ihren National Service gemacht. Das ist ein einjähriger Freiwilligendienst, den alle Ghanaer nach der Schule oder Ausbildung machen müssen. Ich habe nicht ganz verstanden, was genau sie gelernt hat (es hat sich etwas angehört wie Psychologie), aber sie möchte später gerne an einer Schule arbeiten. Und sie hat uns ein Video gezeigt, wie sie jedes Jahr an Weihnachten für die Kinder aus ihrem Dorf Reis kocht.
Am Freitag sind wir dann wieder nach Hause gefahren. Denn am nächsten Tag haben sie Präsidentschaftswahlen stattgefunden und Zac hatte uns gebeten, an diesem Tag wieder in Offinso zu sein. Auch von KulturLife wurden wir informiert, dass es besonders im Norden (also dort wo wir unterwegs waren) zu gewaltsamen Ausschreitungen kommen könnte. Aber meines Wissens ist letztendlich alles friedlich verlaufen.