Die letzten Wochen

Zur Vollständigkeit des Blogs erzähle ich euch noch von meinen letzten Wochen in Ghana, obwohl ich euch das bald schon alles persönlich berichten kann. Also…

Wir haben in der vorletzten Woche noch einmal Abschlussklausuren geschrieben und ich saß viel im Office und habe korrigiert. Beim Anfang der Klausurenphase habe ich dann den Leseunterricht beendet. Mit all meinen Schülern konnte ich am Ende eine kleine Geschichte lesen. Die meisten brauchen beinahe keine Hilfe mehr, bei manchen musste ich noch mehr mitsprechen und korrigieren. Mit dem Ergebnis bin ich super zufrieden, ich hätte nie gedacht, dass meine Lesenachhilfe so viel bewirken könnte. Und ich bin zuversichtlich, dass viele jetzt mehr aus dem Unterricht mitnehmen und ihr Lesen weiter verbessern können. Meine Klasse bekommt nächstes Jahr einen anderen Lehrer und ich wünsche mir besonders für die schwächeren Schüler, dass auch sie noch eine neue Chance bekommen.

In der Zeit vor oder nach den Klausuren habe ich mit meiner Klasse noch ein paar schöne Sachen gemacht. Häufig hatte ich meine Buntstifte und Papier dabei (die Stifte haben sich im Laufe des Jahres um 2/3 dezimiert, aber immerhin haben sie es durchgehalten). Wir haben Armbänder geflochten, kleine Trommeln aus leeren Konservendosen gebastelt oder das Zwergenlied geübt.

Mit dem „Zwergenlied“ könnt ihr vielleicht noch nicht so viel anfangen. Ich glaube ich habe schon einmal erwähnt, dass Caro und ich eine Theater-AG mit ein paar Schülern der vierten und fünften Klasse gemacht und dort die Geschichte von Schneewittchen und den sieben Zwergen eingeübt haben. Ich habe dafür ein kleines Lied geschrieben, das meine vierte Klasse dazu singen konnte. Die Proben waren teilweise sehr anstrengend (vor allem mit den chaotischen Zwergen), aber am Ende hatten es alle drauf und wir haben das Stück am letzten Schultag aufgeführt.

Am Abend vorher haben wir noch das Schloss der bösen Stiefmutter gebastelt.

Der letzte Schultag wird „Our Day“ genannt und ist immer etwas ganz besonderes. Schüler, Eltern und Lehrer kommen zusammen, jeder bringt etwas zu essen mit und es gibt ein tolles Programm. Es gab Ansprachen, Gedichtsvorträge, einen Schönheitswettbewerb und Tanzgruppen. Für Letzteres ist in den Wochen zuvor ein Tanzlehrer gekommen und es wurde fleißig geübt. Dann haben Caro und ich von Zack noch unsere Zertifikate überreicht bekommen.

Beim Our Day habe ich außerdem mit meinen Flötenschülern vorgespielt. Mit den fünf Kindern, die regelmäßig dabei waren, habe ich vier verschiedene Stücke gespielt, zu denen ich teilweise eine zweite Stimme spielen konnte. Der Flötenunterricht hat besonders mit den fünf Mäusen am Ende richtig Spaß gemacht. An meinem letzten Tag in Anyinasuso kam mich Hanifa besuchen und wollte gerne noch einmal Flöte spielen. Wir konnten zusammen ein einfaches neues Stück mehr oder weniger vom Blatt spielen. Auch daran habe ich gemerkt, dass es den Schülern ebenfalls viel Spaß gemacht hat. Es tut gut zu wissen, dass ich ihnen etwas Kleines mitgeben und noch dazu eine Freude bereiten konnte. Ich hoffe besonders für Hanifa, dass die neuen Freiwilligen mit dem Flötenunterricht weitermachen.

Und so war auf einmal das Schuljahr vorbei. Ich wollte in den letzten 1,5 Wochen noch ein bisschen durchs Land reisen, deshalb hatte ich dann nur noch zwei Wochen in Anyinasuso. Für zwei Nächte haben Caro und ich Queen und Angels Mutter besucht, die circa 2,5 Stunden von Kumasi entfernt lebt, wirklich mitten im Nirgendwo. Es gibt dort eine Grundschule, aber keine High School, deshalb leben Queen und Angel in Offinso und kommen nur in den Ferien nach Hause. Ihre Mutter besitzt eine Plantage, dort sind wir den einen Tag hingelaufen und haben Plantains geerntet. Die meiste Arbeit bestand eigentlich darin, ungefähr eine Stunde zur Plantage hin- und den gleichen Weg mit drei Plantain-Stauden auf dem Kopf zurückzulaufen. Der Weg führte durch wunderschöne Natur und Kakao-, Bananen-, Cassava- oder Cocoyam-Plantagen. Für uns war es eine schöne und abenteuerliche Erfahrung. Aber für die Farmer, die das jeden Tag machen müssen, ist das mühselige Arbeit, für die sie auch noch sehr wenig Geld bekommen. Queen und Angels Mutter ist eine fantastische Köchin und sie hat uns unsere vier Lieblingsgerichte gekocht: Fried Plantain mit Beans Stew, Palaver Sauce aus Cocoyam-Blättern, Porridge mit Kose und Fried Rice. Ich freue mich schon sehr darauf, das alles zuhause nachkochen zu können.

Wir hatten noch die Idee, dass wir für unsere Gastfamilie zum Schluss auch noch unsere europäischen Lieblingsgerichte kochen können. Also haben wir einmal Pfannkuchen und einmal Spaghetti mit Tomatensoße gemacht. Witzigerweise mochten nicht alle Kinder das Essen, vor allem die Tomatensauce nicht. Das hat wahrscheinlich einfach etwas mit Gewohnheit zu tun, immerhin mochten wir Banku und Okro Stew auch nicht wirklich, aber die Kinder schon. An einem Nachmittag haben wir noch Pizza aus Offinso mitgebracht und einen Film dazu geschaut.

Ich habe die letzten Tage auch nochmal genutzt, um das Haus in Anyinasuso zu verschönern. Es war so viel Farbe entweder noch von den letzten Freiwilligen oder auch von unseren Streichprojekten übrig, also dachte ich mir, dass ich die auch noch verbrauchen kann. Ist auf jeden Fall schön bunt geworden. Noch in der Schulzeit hatte Caro die Idee, dass wir ein Himmel-und-Hölle-Hüpfspiel auf den Schulhof malen könnten. Da haben sich die Schüler sehr drüber gefreut und alle kannten das Spiel auch schon. Die Farbe hat allerdings nicht sonderlich gut gehalten. Achso und die Schulwände von außen haben wir auch gestrichen.

Und dann kam der Tag des Abschieds. Durch die Handwäsche haben eigentlich alle meine Tshirts, Hosen und besonders Socken das Jahr nicht sonderlich gut überlebt, also habe ich ein paar Sachen an meine Gastfamilie oder Schüler und Nachbarn verteilt. Ein bisschen schlechtes Gewissen hatte ich schon, weil sie sich so über die „neuen“ Sachen gefreut haben und ich es in Deutschland nicht mehr angezogen hätte, weil es für mich schon zu kaputt wäre. Da sieht man wieder gut die unterschiedlichen Lebensrealitäten und es tat mir richtig leid.

Ein paar Schüler haben mich am letzten Tag noch besucht und ich musste mich von allen verabschieden. Das war so ein Gefühlschaos. Einerseits bin ich richtig traurig, dass ich all die lieben Menschen für eine lange Zeit nicht mehr wiedersehen werde und viele Dinge in Ghana werde ich auch sehr vermissen, z.B. die bunten und chaotischen Märkte, das Essen, die ehrliche und direkte Art der Menschen oder die Natur. Andererseits freue ich mich unglaublich auf Zuhause und war wegen dem Urlaub alleine ein bisschen aufgeregt. Und ich bin auch einfach sehr dankbar, dass ich dieses Jahr so erleben durfte. Der Abschied kam mir super unreal vor, immerhin habe ich dort jetzt ein Jahr gelebt. Da will es immer noch nicht in meinen Kopf rein, dass das alles auf einmal vorbei ist.

Jetzt genieße ich noch die letzte Woche und freue mich schon sehr darauf, euch alle wiederzusehen!!