Die Reise

Jetzt geht mein vierter Tag in Ghana zu Ende und ich habe schon unglaublich viel erlebt. Seit gestern bin ich auch wieder online und habe gerade mal ein bisschen Zeit zu berichten. Ich sitze btw gerade im Kofferraum eines Taxis, das uns im Stockdunklen auf irgendwelchen Nebenstraßen von Kumasi nach Offinso fährt und wir hüpfen bei jedem Schlagloch an die Decke (die Straße ist übersät davon) und der Fahrer fragt an jeder Ecke die Menschen, wo es eigentlich lang geht. Aber jetzt genug gespoilert;)

Am Donnerstag ging mein Flug um 6 Uhr ab Hannover, was bedeutet, dass wir um 3:40 Uhr Richtung Flughafen aufgebrochen sind. Emma und meine Eltern haben mich hingebracht. Ich habe mich total auf das nächste Jahr gefreut und war so aufgeregt, dass mir der Abschied von meiner Familie nicht schwer fiel. Zum ersten Mal bin ich alleine geflogen und das war schon ein bisschen aufregend. In Frankfurt habe ich dann meine Mitfreiwilligen getroffen und schließlich sind wir um 17 Uhr Ortszeit in Accra gelandet. Durch die Zeitverschiebung von zwei Stunden war es für meine innere Uhr schon 19 Uhr, aber noch war ich durch die ganzen neuen Eindrücke hellwach. Der erste Unterschied, den ich beim Verlassen des Flughafens gemerkt habe, war die viel höhere Luftfeuchtigkeit. Aber die Temperatur war ähnlich wie in Deutschland im Sommer, also ganz angenehm im T-Shirt. 

Mein Einsatzort liegt in Anyinasuso, einem kleinen Dorf, aber die Organisation die uns Freiwillige dort aufnimmt ist in Offinso. Beides liegt einige Kilometer entfernt von Accra. Zusammen mit mir sind noch fünf andere Freiwillige bei dieser Organisation: Carolyn, Jenny, Inga, Ruben und Mathis. Zacch, der Leiter der Organisation, hat uns geschrieben, dass sein Bruder Dauda uns von Flughafen abholt und nach Offinso bringt. Der tauchte allerdings nicht auf. Nach mehreren Telefonaten mit Zacch und dann schließlich auch Dauda selbst, wussten wir wenigstens dass er auf dem Weg ist. Während der Wartezeit habe ich schonmal meine neue Visakarte eingeweiht und 500 Cedis abgehoben, was ungefähr 23 Euro entspricht. Dauda kam schließlich um 19 Uhr, aber statt mit seinem eigenen Auto, wie ich es erwartet hatte, mit einer Mitfahrgelegenheit auf einem Moped. Er hat uns dann erstmal ein Taxi besorgt, das zwar ein Siebensitzer war, allerdings mussten natürlich auch noch zwei Gepäckstücke pro Person mit. Caro und ich saßen also zwischen Koffern zusammengequetscht auf der Rückbank mit meinem Trompetenkoffer und Mathis Rucksack auf dem Schoß und konnten uns nicht rühren. Auf den hell erleuchteten Straßen war ordentlich was los, überall Fußgänger, verstopfte Straßen, Leute mit Schüsseln auf dem Kopf, die etwas verkaufen wollen. Nach einer halben Stunde kamen wir dann am Busbahnhof an, von dem wir nach Offinso fahren wollten. Überall wuselten Menschen herum und Verkaufsstände aufgebaut und zwischendurch schoben sich die Autos und Busse durch die Menge. Die Luft war erfüllt von dem Geruch von Benzin, dem Rufen von Menschen, Ansagen durch Lautsprecher und Gehupe. Der Busfahrer hat mit ein paar anderen fremden Männern unser Gepäck auf einen Haufen gepackt, 250 Cedis von uns für die Fahrt genommen und uns in diesem Durcheinander stehen gelassen. Von Dauda war wieder keine Spur zu sehen. Die Männer, die uns auspacken geholfen haben, wollten uns dann den Weg zum Ticketshop zeigen und Mathis und Ruben sind in unserer leichten Überforderung natürlich mitgegangen. Wir haben uns währenddessen mit einer Studentin angefreundet, die auf den Bus nach Kumasi gewartet hat und noch einem anderen Mann. Und viele Leute haben uns angesprochen, wo wir herkämen, ob wir nicht etwas kaufen wollen oder Geld geben könnten. Nachdem die anderen wiedergekommen sind und wir unseren Gepäckhaufen noch ein paar hundert Meter Richtung Ticketoffice verlegt hatten, tauchte Dauda wieder auf. Der diskutierte dann wild mit dem Ticketverkäufer und später erfuhren wir, dass er die Tickets schon gekauft hatte und wir tausend Cedis zu viel bezahlt hatten. Das bekam er schließlich aber wieder und um halb zehn saßen wir dann endlich im Bus. Ich habe meinen Rucksack und Trompete auf meinem Schoß behalten, denn beim Einladen wurde unser restliches Gepäck nicht gerade zimperlich in den Laderaum gezwängt. Dort war viel zu wenig Platz, weil da vorher Konservendosenkartons standen. Die wurden kurzerhand unter den Sitzen im Bus verstaut. Nachdem zu guter Letzt noch zwei Matratzen aufrecht in den Gang geschoben wurden, ging die Fahrt schließlich um 11 Uhr los. Ich habe die ganze Zeit kein Auge zugemacht, obwohl ich hundemüde war. Aber es war die ganze Zeit total laute Musik an und trotz meiner Noisecancelling-Kopfhörer hat mich das zu sehr abgelenkt. Aber so habe ich zumindest als Einzige den Ausruf gehört, dass wir in Offinso angekommen seien, denn alle anderen haben tief und fest geschlafen. Es war inzwischen vier Uhr und nach ein paar weiteren Minuten Taxifahrt sind wir schließlich bei Zacch angekommen. Der war komischerweise nicht zu Hause, also hat uns ein anderer Mann Willkommen geheißen und uns unsere Zimmer gezeigt. Caro und ich sind in eins gegangen und haben uns sofort ohne Umzuziehen hingelegt.

Mein Résumé für die ersten Stunden in Ghana: Alles dauert länger als gedacht und 28 Stunden Reise ohne zu schlafen ist schon mal machbar.

Zur nächsten Seite oder zurück zur Startseite