28.12.2024

Am Sonntag, den 22.12., haben wir angefangen mein Klassenzimmer zu streichen. Nur zwei der vier Wände sind verputzt, bei den anderen beiden sieht man den Stein und ab Brusthöhe bestehen sie nur aus Holzplatten. Aber die Tafelwand und die Wand zu Alberts Office konnten wir streichen. Weil die Hälfte des Klassenzimmers grau bleibt, wollte ich gerne leuchtende Farben benutzen und eine der beiden mit einem Muster aus Dreiecken versehen. In unserem Zimmer standen noch ein paar Farbreste von den Freiwilligen vor uns: rot, etwas blau, lila und gelb. Jenny hat für ihren Klassenraum in der Stepping Stones Academy grüne Falbe gekauft und nicht alles gebraucht. Caro und ich haben also abgesprochen, blaue und weiße Farbe zu kaufen und für die Dreiecke grün und das alte rot zu benutzen. Am Sonntag haben eigentlich immer die meisten Läden auf, aber als wir nach den Farbgeschäften geschaut haben, waren alle zu. Schließlich haben wir doch einen gefunden, der zum Glück die passenden Farben hatte. Pinsel und Rollen haben wir dort auch mitgenommen. Unsere eigentliche Gastfamilie in Aniyinasuso hat einen Schlüssel zum Schultor und deren Haus liegt auf dem Weg zwischen Schule und Hauptstraße. Wir haben die Großmutter, Nana, dort angetroffen, die uns den Schlüssel gegeben hat.
Unsere Ankunft ist nicht verborgen geblieben, ein paar Kinder sind uns hinterhergelaufen und weil wir in dem Moment kein Problem damit hatten, haben wir auch nicht daran gedacht, dass Schultor von innen wieder zuzumachen. Die Kinder sind dort auf dem Hof herumgetobt, einer hat uns ein bisschen geholfen. Aber irgendwann haben manche mit unseren Sachen herumgespielt und haben an die frisch gestrichenen Wände gefasst. Also haben wir sie mittags herausgelockt und überredet, nicht wieder mit reinzukommen. Am nächsten Tag war es noch viel extremer. Da waren zwei uns unbekannte kleine Jungen, die wirklich alles angefasst haben und auf den Tischen herumgeturnt sind. Wir mussten sie richtig vom Schulhof zerren, weil sie nicht auf uns gehört haben. Nach bestimmt einer halben Stunde hatten wir endlich alle Kinder ausgesperrt und waren schon total durchgeschwitzt. Vor das hölzerne Schultor kann man von innen einen Nagel schieben, sodass sie nicht wieder aufgeht. Die Kinder haben von außen aber so dagegen gehauen und getreten, dass ich Angst hatte, dass der Nagel nicht hält und irgendwas kaputt geht. Also habe ich mich mit dem Rücken davor gesetzt, während draußen die Kinder geschrien und geheult haben. Das war wirklich wie ein Fiebertraum. Caro und ich hatten beide ein etwas schlechtes Gewissen, dass die Kinder wegen uns weinen, aber wir haben niemandem wehgetan, sondern nur durchgesetzt, dass sie uns nicht stören. Und als sie auf dem Hof vor uns weggerannt sind, war ja alles noch ein witziges Spiel. An den letzten beiden Tagen sind wir dann über die Mauer geklettert, da konnten uns nur die älteren Kinder folgen und die benehmen sich immer gut.


Das Streichen hat eigentlich echt gut geklappt. Am zweiten Tag waren dann aber die Dreiecke dran, die man eigentlich einfach mit Klebeband abkleben kann. Wir hatten allerdings kein Kreppband sondern nur ein Gaffatape und ein anderes doppelseitiges Klebeband. Das Gaffa hat die Wand mit abgezogen und das andere hat nur für grade einmal zwei Dreiecke gereicht, sodass wir es jedes Mal hätten umkleben müssen. Also haben wir wieder improvisiert und mit einer alten Holzlatte, die ich in der dritten Klasse gefunden habe, alle Dreiecke mit Bleistift aufgezeichnet und sie dann ausgemalt. Ein zweites Problem war, dass die rote Farbe ein bisschen vergammelt war und ganz schön gemüffelt hat. An der Wand sah sie ganz gut aus, abgesehen von den schwarzen Brocken, die man herausfischen musste. Irgendwie hat es also alles geklappt und ich freue mich sehr über das Ergebnis.


Am Heiligabend haben wir Kekse gebacken. Letztes Wochenende hatten Inga und ich dafür Butter eingekauft. Am Morgen des 24. haben wir vier also den Mürbeteig vorbereitet und in zwei Plastiktüten in die Kühltruhe gelegt. Die steht jetzt ja schon ein paar Wochen im Flur und wir können sie mitbenutzen. Allerdings ist sie manchmal auf Kühlschranktemperatur und manchmal eher eine Gefriertruhe. Meine letzte Sojamilch, die ich dort reingestellt hatte, war am nächsten Tag zum Beispiel ein Eisblock. Aber Teig sah hinterher ganz gut aus, jedenfalls der eine, der noch da war. Die zweite Tüte war spurlos verschwunden. Wir haben mit der Hilfe der anderen Hausbewohner alles auf den Kopf gestellt, aber die zweite Teighälfte blieb verschwunden. Schließlich hat Alice ihn zum Glück doch zwischen den Einkaufstüten entdeckt. Bei jeder Kleinigkeit, die man einkauft, zum Beispiel ein Stück Seife oder einen Beutel Wasser, bekommt man immer eine schwarze Plastiktüte mit. Ich versuche aber immer, schnell genug zu sagen, dass ich sie nicht brauche.
Wir hatten Roberts, der die Brote in der Schule backt, am Abend vorher gefragt, ob wir seinen Ofen am Nachmittag benutzen dürfen. Er war sofort einverstanden. Am besagtem Nachmittag war von ihm allerdings keine Spur zu sehen und schließlich haben wir uns einfach ein paar offensichtlich unbenutzte Brotformen ausgeliehen und schonmal angefangen, den Teig auszurollen und auszustechen. Wobei ausstechen etwas übertrieben ist – Jenny ist auf die schlaue Idee gekommen, mit dem Deckel unseres Salzstreuers Kreise auszustechen. Den Rest haben wir mit Messern reingeritzt. Unsere „Gastgeschwister“ Ojo, Mariam und Sahara waren am Anfang dabei, aber nach und nach sind noch ein paar Kinder aus der Nachbarschaft vorbeigekommen, die auf dem Schulhof spielen wollten.

Roberts ist irgendwann glücklicherweise auch gekommen und hat uns den Ofen angemacht. Um sechs wird es ja immer dunkel und so habe ich die letzten Teigreste einfach in Streifen geschnitten. Mit meiner Weihnachtsplaylist und dem Duft von Keksen bin ich schließlich doch etwas in Weihnachtsstimmung gekommen und es hat richtig Spaß gemacht, auch wenn es etwas chaotisch war (oder vielleicht auch gerade deshalb). Mit Ojo haben wir die Kekse am nächsten Morgen noch verziert, Oma hatte mir eine Packung Puderzucker mitgeschickt.

Am Zweiten Weihnachtstag sind wir vier Mädels mit sieben unserer Gastgeschwister zum Pool gefahren. Was wir nicht wussten war, dass an diesem Abend der bekannteste Rapper aus Ghana, King Paluta, dort auftreten sollte. Dementsprechend wurde es voller und voller, bis man sich durch die Menge bahnen musste und an schwimmen war schon gar nicht mehr zu denken. Ich habe daher auch einige Zeit vor der Tür verbracht – einen Spaziergang gemacht und mit Mama telefoniert. Mit Ojo habe ich mir noch eine Akrobatik-Tanz-Feuer-Show angeschaut, die am Restaurant stattgefunden hat. Die Gruppe bestand aus sechs Männern und die waren echt ganz gut: Auf den Schultern des einen standen drei andere und sie haben Handstände aufeinander gemacht. Die Kombination hat mich so an meine Zirkuszeit erinnern, dass ich die ganze Zeit gegrinst habe.
Ich kann festhalten, dass an Weihnachten in Ghana nicht der ganze Prunk aufgefahren wird, wie bei uns. Aber meine christliche Gastfamilie ist in die Kirche gegangen und macht immer eine Aktivität (mehr oder weniger) zusammen.