Ein neuer Raum und Flötenunterricht

Ihr erinnert euch vielleicht von einem meiner früheren Beiträge, dass wir eigentlich in Anyinasuso wohnen sollten. Zac hatte dort aber kein Zimmer mehr zu Miete gefunden, wollte aber weiter suchen. Wir haben ihn schon seit Monaten immer mal wieder darauf angesprochen, weil wir beide gerne dorthin ziehen würden. Es hätte schon einige Vorteile, wenn wir dort wohnen würden. Erstens könnten wir länger schlafen und wären früher zuhause, weil wir nicht immer 30-90 Minuten im Bus sitzen müssten. Zweitens hätten hätten wir mehr Privatsphäre, denn im Moment hören wir ja alles von Jenny und Inga aus ihrem Zimmer mit, weil die Wand so dünn ist und da unser Zimmer ja das größere ist, steht dort der Kleiderschrank und unsere Vorräte/Küchengeräte, also herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Drittens könnten wir auch nach der Schule einmal etwas mit den Kindern aus unserer Klasse machen und viertens ist Anyinasuso generell so ein ruhiger Ort mit friedlicher Atmosphäre. Also sprach schon immer sehr viel für einen Umzug, nur Zac hatte noch keinen passenden Raum gefunden. Aber dann nach dem Zwischenseminar haben wir mit Zac einen Plan gemacht: Wir leihen ihm das Geld, um einen neuen Raum direkt neben dem Haus von unserer zukünftigen Gastfamilie zu bauen. Das war eigentlich schon immer Zacs Idee, aber es scheiterte eben daran, dass er nicht auf einen Schwung genug Geld hatte. Und so haben vor zwei Wochen Bauarbeiter die Steine hergestellt angefangen zu bauen.

Beim Zwischenseminar hatten wir auch ein paar Ideen zu neuen Projekten gesammelt und ich hatte schon vorher überlegt, vielleicht Blockflötenunterricht zu geben. Also bin ich nach Kumasi gefahren und war in ein paar Musikgeschäften auf der Suche nach Flöten. Bei einem wurde ich auch fündig. Diese waren allerdings ziemlich billig hergestellt und das hat man auch an den Tönen gemerkt, denn das untere e, d und c waren jeweils um einen Halbton verstimmt. Und weil Blockflöten in den Händen von ungeübten Kindern sich sowieso schon furchtbar anhören, wollte ich mir das nicht antun. Ich hatte kurz überlegt, mir welche aus Deutschland zu bestellen, aber da hat Mama auch gesagt, dass ich besser die Leute hier unterstützen soll. Also bin ich am vorletzten Wochenende wieder nach Kumasi gegurkt und habe noch ein paar mehr Flöten dieser Art getestet, mit der Hoffnung, dass eine davon vielleicht zufällig stimmt. Und dann hat der Besitzer plötzlich gesagt, dass sie ja auch noch eine andere Sorte an Flöten haben. So habe ich also die ausprobiert und sie waren viiiiel besser! Ich könnt euch nicht vorstellen, wie ich mich in diesem Moment gefreut habe. Ich habe 11 Stück mitgenommen, weil ich eine Gruppe aus 10 Kindern als realistisch angesehen habe. Am nächsten Montag war ich dann ganz gespannt, die Flöten mit meiner Klasse auszuprobieren. Also habe ich sie in zwei Gruppen aufgeteilt, damit es nach der Schule alle einmal ausprobieren können.

Die erste Stunde war eine Katastrophe. Ein paar Schüler hatten wirklich Lust spielen zu lernen, aber der Rest hat herumgealbert und die ganze Zeit zwischendurch gespielt oder geredet. Ich konnte nicht einen Satz herausbringen, ohne unterbrochen zu werden. Dann standen auch noch andere Kinder aus der anderen Gruppe und auch aus anderen Klasse mit im Raum, und wollten es unbedingt auch ausprobieren und waren dementsprechend auch laut. Am Ende war ich komplett genervt. Aber es hat mir gezeigt, dass ich unterschiedliche Gruppen machen muss, je nachdem, wer Lust hat zu lernen oder wer Lust hat einfach herumzuspielen.

Die zweite Stunde war da schon etwas erfolgreicher. Ich habe die Störenfriede versucht zu ignorieren und nur den drei, die zugehört haben, Tipps gegeben. Da habe ich beschlossen mit einer ganz kleinen Gruppe anzufangen, weil die Kinder das Problem hatten, ihre Finger nicht richtig auf die Löcher legen zu können, weshalb ich von einem zum anderen gelaufen bin und der Rest sich gelangweilt hat.

Also habe ich am Mittwoch eine Liste mit 4er Gruppen gemacht. Der erste Versuch gleich an dem Tag war ziemlich erfolgreich und es hat richtig Spaß gemacht. Jetzt bin ich also jeden Tag nach der Schule noch mit einer halben Stunde Flötenunterricht beschäftigt. Mal schauen, wie es sich entwickelt und wer am Ende wirklich Lust hat, das regelmäßig zu machen. Ich freue mich deshalb jetzt schon auf das nächste halbe Jahr und bin sehr gespannt, was wir am Ende zustande bringen.

Mit meiner Lesenachhilfe geht es übrigens vorwärts. Alle, mit denen ich am Anfang noch das Alphabet und Silben-Lesen geübt habe, können mittlerweile einfache Wörter lesen. Jedes Wort braucht allerdings seine Zeit und manchmal ist das Alphabet als Unterstützung noch nötig. Aber ich habe die Hoffnung, dass sie am Ende des Jahres auch vor der Klasse ein paar Wörter lesen können.

Meinen Hilfszetteln sieht man schon an, dass sie gebraucht wurden, ein weißes Blatt im Hintergrund als Vergleich…

Gestern habe ich mir meine Haare geschnitten, die hingen mir schon immer in die Augen. Ruben hat glücklicherweise eine komplette Friseur-Ausrüstung mit Rasierer, Aufsätzen, Scheren, Klammern, Kämmen etc. dabei und die durfte ich mir ausleihen. Es hat echt richtig Spaß gemacht und mit dem Ergebnis bin ich zufrieden. Ein paar Youtube-Tutorials habe ich mir vorher angeschaut, aber dass es so gut klappt hätte ich gar nicht gedacht. Ein kleines bisschen musste Caro hinten aber nachjustieren.

Zum nächsten Beitrag oder zurück zur Startseite