End of Second Term

20.04.2025

Seit Donnerstag sind Ferien und deshalb habe ich etwas Zeit, euch von meinem letzten Monat zu berichten.

Letzten Sonntag, dem Palmsonntag, waren wir zum ersten Mal in Ghana mit in der Kirche und es war schon etwas anderes als in Deutschland. Blessing, ein Mädchen aus Caros fünfter Klasse, hat uns schon häufiger gefragt, ob wir einmal mitkommen möchten. Der Gottesdienst beginnt laut Plakat eigentlich um 8 Uhr, nach ghanaischer Manier waren wir um 9 Uhr da und es war noch recht leer. Der Gottesdienst hat sich für mich, wie auch bereits die Beerdigung, deutlich fröhlicher angefühlt, als ich es aus Deutschland gewohnt bin. Der Pastor hat während seiner Predigt Witze gemacht, es wurde zwischendurch gelacht, geklatscht und Sachen eingeworfen wie: „Halleluja“, „Amen“, „Praise the Lord!“. Seine Predigt war sehr leidenschaftlich: Er lief zwischen der Gemeinde auf und ab, hat wild gestikuliert und manchmal beinahe ins Mikrophon geschrien. Obwohl alles auf Twi war und ich deshalb nur zwei Wörter verstanden habe, war ich sehr gebannt von seiner Vortragsweise. Irgendwann wurde es allerdings doch etwas lang.

Und es wurde auch getanzt. Erst jeder für sich bei einem Lied, untermalt mit einem ruhigen Synthesizer, aber dann kamen mehrere schnelle Lieder mit Schlagzeug- und Keyboard-Begleitung. Vier Frauen standen mit Mikros vorne und haben im Call- und Response-Prinzip gesungen und die Gemeinde ist auch kräftig mit eingestimmt. Da sind viele auch mit nach vorne gegangen und haben sich Schellenkränze geschnappt oder einfach so ausgelassen getanzt. Es hat richtig Spaß gemacht, zuzuschauen und diese Stimmung in mir aufzunehmen.

Heute waren Inga und ich mit unserer Offinso-Gastfamilie im Ostergottesdienst. Der Pastor hat seine ganze Predigt auf Englisch gehalten, sodass wir beide gut zuhören konnten. Die Themen waren natürlich ähnlich wie in Deutschland auch, nur dass sehr viel mehr Bibelverse zum Einsatz kommen. Getanzt haben wir hier nicht, dafür hat Annes Chor ein paar sehr schöne Stücke gesungen. Dazu gab es eine Playback-Begleitung im Pop-Stil. Da kam bei mir sogar ein kleines bisschen Osterstimmung auf.

Auf dem Foto bin ich mit Inga und ein paar Mitgliedern aus dem Kirchenchor. Aus unserer Gastfamilie sind Farida (zweite von links), Nancy (vierte von links), Anne (dritte von rechts) und Susi (vierte von rechts) dabei.

In den letzten beiden Ferienwochen wurden wieder Examen geschrieben. Es lief ähnlich chaotisch ab wie beim letzten Mal. Aber an sich war es wieder ganz entspannt, weil ich mich immer ins Office setzten konnte um Klausuren zu korrigieren und weil der „Unterricht“ immer erst eine Stunde später angefangen hat, hatte ich morgens noch Zeit zum Gitarre spielen. Der Lehrer der zweiten Klasse ist schon seit längerer Zeit krank, sodass Caro manchmal alleine in ihrer Klasse eine Klausur geschrieben hat. Sie hat, ähnlich wie ich, ohne Stock sehr viel weniger Authorität als die Lehrer, sodass es teilweise sehr laut war. Ich habe mich dann manchmal hinten mit reingestellt und die Stunde damit zugebracht, die Schüler zu ermahnen auf ihren Plätzen sitzen zu bleiben und nicht bei anderen abzuschreiben. Das hat so semi geklappt. Und Caro hatte hinterher richtig Halsschmerzen, weil die Lautstärke echt nicht so angenehm war.

Hier nochmal eine kleine Auswahl aus witzigen Antworten:

Hier war die Aufgabe: „Name four importances of work.“

Hier sollten sie einen eigenen Satz mit den Worten „plenty“ und „big“ bilden. Die Antwort kam von Muhanzin, einem der kleinsten Jungen in meiner Klasse.

Tja und hier war die Frage, was ein Lehrer für Aufgaben hat. Die Antwort von Hanifa zeigt finde ich gut, was für eine andere Idee das Schulsystem an der Promised Land ist. Die Antwort „He has to discipline the children“ steht tatsächlich auch so im Schulbuch.

Am Dienstag, als unsere beiden Klassen mit den Klausuren durch waren, haben wir unser Müllprojekt gemacht. Die erste Stunde haben wir eine Unterrichtseinheit zum Thema Müll gemacht und diese möglichst interessant und interaktiv gestaltet. Mit meiner Klasse habe ich ein Video geschaut, einen Stoffkreislauf gezeichnet, Müll getrennt nach „gut“ (= verrottet) und „schlecht“ (= verrottet nicht). Am Ende habe ich mir noch zwei Rollenspiele ausgedacht, wie man beim Einkaufen weniger Müll produziert und wie man andere daran erinnert, kein Plastik in die Natur zu werfen. Müll ist in Ghana schon ein Problem, weil es keine Müllabfuhr gibt und er deshalb privat verbrannt wird oder auf einem Müllberg landet. Teilweise werfen Leute ihren Müll einfach irgendwohin, sodass sich viel an Wegrändern oder Plätzen sammelt. Aber auf den Grundstücken wird eigentlich immer sehr darauf geachtet, dass alles sauber ist. Nana oder Rafia fegen jeden morgen selbst die Mangoblätter weg und verbrennen alles hinter dem Haus. Über Müllverbrennung kann man natürlich diskutieren, aber Recycling wäre aus Kostengründen einfach nicht möglich und so liegt es wenigstens nicht in der Natur. In Recycling im kleinen Stil sind die Ghanaer übrigens sehr gut: Ich sehe häufig Kinder, die sich aus alten Nägeln, Behältern, Dosen und Deckeln von Plastikflaschen Spielzeugautos oder sogar Rollbrett-artige Gefährte gebaut haben.

Da müssten wir Deutschen uns eher an die eigene Nase fassen: Bei uns werden (laut Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie) nur 5,6% Prozent unserer Plastikabfälle der gelben Tonne wirklich recycelt, also können am Ende wiederverwendet werden. Der Rest wird auch verbrannt oder ins Ausland verschifft. Im Jahr 2018 wurden beispielsweise 450.000 Tonnen Plastikmüll nach China, Malaysia, Indien oder auch Polen und die Türkei gebracht, womit er als recycelt gilt. Dort wird er natürlich nicht wertstofflich recycelt sondern auch verbrannt, was Kosten verursacht oder die Luft verschmutzt. Ghana wird auch von Second Hand Klamotten aus Europa überschwemmt, die hier dann günstig verkauft werden können. Aber in den Massen landen sie eben hinterher auch irgendwo, wie ich es zum Beispiel in Winneba gesehen habe.

Auch Elektroschrott aus Deutschland gelangt nach Ghana. Hier wird das Plastik verbrannt, um an die wertvollen Metalle heranzukommen, aber das gefährdet die Natur und die Gesundheit der Menschen, die in den giftigen Gasen arbeiten müssen.

Deshalb hat es sich auch etwas doppelmoralisch angefühlt, den Kindern hier zu erklären, wie sie mit dem Plastik umzugehen haben, wenn wir doch selbst in unserem „fortschrittlichen“ Land nicht damit zurechtkommen.

In der zweiten Stunde haben wir dann im Umkreis der Schule Müll gesammelt und diesen anschließend auf den Müllplatz von Anyinasuso gebracht. Wir haben ihnen hinterher Schokolade versprochen und mit diesem Anreiz hat das Projekt wirklich ganz gut geklappt. Am Schluss haben sogar drei Kindergartenkinder mitgeholfen, das war sehr süß.

Dann habe ich noch ein anderes kleines Projekt umgesetzt. Ich habe für meine Klasse das Alphabet mit den Bildern, mit dem ich immer meine Lesenachhilfe mache, auf 26 DinA4-Blätter gemalt. Das konnte meine Klasse dann ausmalen und ich habe es dann ins Klassenzimmer gehängt, sodass sie auch im Unterricht ab und zu mal drauf schauen können. Vorher habe ich es noch kopiert, sodass wir das gleiche auch für die erste bis dritte Klasse machen konnten. So haben wir die letzte Woche also auch ein paar Stunden in den anderen drei Klassen verbracht und mit den Kindern die Alphabete ausgemalt.

So sieht mein Klassenzimmer jetzt mittlerweile aus. Damit sie nicht gleich kaputt gehen, habe ich sie noch laminieren lassen.

Abgesehen von dem Kirchenbesuch heute morgen ist von Ostern nicht besonders viel zu spüren. Wie ich meine sonstigen Ferien verbringe schreibe ich im nächsten Blog.

Ich wünsche euch allen eine schöne Osterzeit!

Zum nächsten Beitrag oder zurück zur Startseite