18.12.2024
Ich habe mich nach den drei Wochen Krankheit und Urlaub wieder richtig auf die Schule gefreut. Ich hatte so ein Bedürfnis nach sinnvoller Arbeit und einem geregelten Alltag. Und es war schön, die Kinder aus meiner Klasse wieder zu sehen.
In dieser Woche haben alle Klassen mit ihren Exams angefangen. Caro und ich hatten alle abgetippt und sollten sie an Zebina weitergegeben, damit er sie drucken lassen konnte (Zebina ist der, der mit uns für die Non-Citizen-Card nach Kumasi gefahren ist, gerade auf seinen Studiumsplatz wartet und so lange an der Stepping Stones mit hilft). Am Dienstag sollte die erste Klausur geschrieben werden, aber die Arbeiten der vierten Klasse haben noch gefehlt. Caro und ich haben also am Montag nachgeforscht, wo die Vorlage abgeblieben ist und haben sie schließlich bei Zebina gefunden. Er hatte erst die erste Seite abgetippt und ich abends dann noch den Rest. Am Dienstag sollten sie morgens in einem Printshop in Offinso gedruckt werden und so haben alle darauf gewartet, dass Wasila sie nach Aniyinasuso bringt. Die Kinder saßen also im Klassenraum und hatten nichts zu tun, deshalb habe ich wieder Bilder an die Tafel gemalt, die sie abzeichnen konnten. In der ersten Pause haben wir uns schon gewundert, wo Wasila mit den Klausuren bleibt. Als es in der zweiten Pause dann Zeit fürs Mittagessen war, haben wir uns ernsthaft Gedanken gemacht. Aber schließlich kam sie doch und um 13 Uhr konnten wir schließlich Science schreiben.
Insgesamt hat meine Klasse in neun Fächern Klausuren geschrieben. In der ersten Woche haben wir Science, History, R.M.E (religious and moral education), English Language, English Writing und Mathe geschrieben. Diese Woche waren noch I.C.T (information, communication, technology), Creative Arts, O.W.O.P (our world, our people) und Twi dran. Ich hatte mich schon wirklich gefragt, wie meine Klasse eine Klausur schreiben soll, wenn nur sechs Schüler lesen und schreiben können und noch nicht einmal die Hälfte gut Englisch versteht. Und es ist wirklich verrückt. Der erste Teil der Klausuren besteht aus Multiplechoice-Aufgaben. Da raten viele einfach und beim Korrigieren habe ich festgestellt, dass sie wahrscheinlich teilweise voneinander abschreiben. Und im zweiten Aufgabenteil müssen dann die Antworten hingeschrieben werden. Das hat Eric aber geschickt umgangen und die meisten Lösungssätze einfach an die Tafel geschrieben. Bei R.M.E. zum Beispiel hat der zweite Teil 60% gezählt, deswegen lag der Schnitt der Klassenarbeit hinterher bei fast 70%. Bei Englisch sah das anders aus: da waren viele nicht schnell genug mit Abschreiben und Eric hatte auch nicht alle Lösungen hingeschrieben. So hatten hinterher nur die Hälfte über 50%. Es war wirklich eine Katastrophe, aber genau so habe ich es auch erwartet.

Diese ganzen Klausuren sind einfach nur da, um das Schauspiel einer perfekten Schule aufrechtzuerhalten, wenn eigentlich erstmal bei ganz grundlegenden Dingen, wie dem Lesen, angesetzt werden müsste. Dann saß ich diese Woche also zwei Mal mit Caro in Alberts Office und wir haben zusammen korrigiert. Und wir hatten wirklich etwas zu lachen, was da manchmal zustande gekommen ist. Denn die Tafel war hinterher so zugeschrieben, dass die Schüler in den Spalten verrutscht sind, noch Sätze aus einer anderen Klausur abgeschrieben haben und Satzteile doppelt oder zur falschen Aufgabe geschrieben haben. Da sie nicht lesen können, ob das so Sinn ergibt, ist so etwas natürlich zu erwarten.



Und dann haben wir uns noch unserem Spendenprojekt für den Schulbus gewidmet. Meine Oma (Antje) war ja bis vor kurzem die Schulleiterin der Grundschule in Otze und hat durch freiwillige Tätigkeiten noch guten Kontakt dorthin. Sie hat sich dafür eingesetzt, dass die Einnahmen der Weihnachtsschule gespendet werden. Diese fand am letzten Freitagnachmittag statt und es gab wie jedes Jahr Kaffee und Kuchen, verschiedene Bastelangebote und Vorführungen. Antje hatte sich außerdem um einen Adventsflohmarkt gekümmert.

Caro und ich haben ein Video für die Kinder und Eltern aufgenommen, in dem wir die Schule, unsere Arbeit und auch das Projekt des Schulbusses vorgestellt haben. Ich hatte mir vorher ein Skript mit möglichen Videosequenzen überlegt und so habe ich ein bisschen den Unterricht und die Assembly gefilmt. Ein paar Videos haben wir mehr oder weniger gestellt, zum Beispiel habe ich mich mit Wadudu dafür vor die Tür gesetzt und bin nur einmal kurz das Alphabet mit ihm durchgegangen, während Caro gefilmt hat, um die Lesenachhilfe anschaulich zu machen. Und als ich meine Klasse gefragt habe, ob wir einmal ein Video zusammen machen können, waren sie alle begeistert. Das hat es etwas einfacher gemacht. Denn ich hatte schon ein komisches Gefühl die Kinder einfach so zu zeigen, für fremde Leute in Europa. Darüber haben wir auch beim Vorbereitungsseminar gesprochen: Arme afrikanische Kinder werden dafür genutzt, um Europäer zum Spenden anzuregen, wodurch das Vorurteil, alle afrikanischen Kinder wären arm, noch mehr bestätigt wird. In diesem Fall stimmt es natürlich, dass die Schule sich nicht einfach so einen Bus kaufen kann und die Familien wirklich viel ärmer sind im Vergleich zu Deutschland. Aber trotzdem.

Die schwierigste Aufgabe war es, die Autofahrten zu filmen. Ich hatte mir überlegt, dass man alle Fahrten von einem Tag im Zeitraffer filmt und so zeigt, wie häufig das Auto fahren muss. Genau in dieser Woche ist allerdings mal Kofi und mal der ehemalige Fahrer gefahren, aber wir wollten ja zeigen, dass nur ein Auto hin und her fährt. Und beide sind morgens immer total spät gekommen, sodass wir Dienstag und Mittwoch zwei Stunden an der Straße gesessen und gewartet haben. Dann ist die eine Hälfte der Village-Kinder mit dem Auto gekommen und die anderen sind auch irgendwie in der Schule aufgetaucht. So mussten wir letztendlich ein bisschen tricksen: Ich habe die drei Videos genommen, in denen Kofi mit Zacs schwarzem Auto gefahren ist. Davon habe ich zwar eins am Montag, eins am Dienstag und eins am Mittwoch aufgenommen, sodass Kofi immer unterschiedliche Klamotten trägt und Elijah, ein Junge aus meiner Klasse zweimal zu sehen ist, aber bis jetzt ist das noch niemandem aufgefallen.
Hier könnt ihr euch das Video anschauen.

Uuund ich habe mir ein Fahrrad gekauft am Sonntag. Damit bin ich diese Woche jeden Tag zur Schule gefahren, das dauert so ungefähr 50 Minuten. Es ist ein Gebrauchtes und nicht so hundertprozentig fit: In beiden Reifen sind Achten und deshalb schleifen die Bremsen ein bisschen und die Gangschaltung ist nicht richtig eingestellt, sodass die Kette raus rutscht, wenn man zu hoch schaltet. Aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und es tut richtig gut, wieder Fahrrad zu fahren. Hier ist es relativ bergig, sodass man richtig ins Tal schießen kann. Und qualvoll bergauf strampeln muss.


Trompete habe ich übrigens wieder mehr gespielt, seitdem ich Papa nach seinen Bigbandnoten gefragt habe. Ich habe mir ja vorgenommen, improvisieren zu üben, aber nur das ist irgendwie deprimierend (weil ichs halt nicht kann). Aber vielleicht schaffe ich ja in Zukunft eine Mischung aus beidem.