08.09.2024
Am Samstag hat uns einer der Mitbewohner ghanaische Simkarten besorgt, weil das Roaming wirklich unbezahlbar ist. Bei unserer Ankunft habe ich für zehn Sekunden meine mobilen Daten angemacht und schon waren mein Datenvolumen und 17 Euro Guthaben weg. Anrufe kosten 4,32 Euro pro Minute. Die Simkarten haben allerdings nicht funktioniert und erst am nächsten Tag habe ich nach dem Frühstück festgestellt, dass wir wieder Verbindung zur Außenwelt haben. Es waren zwar nur zwei Tage, die wir mit niemandem schreiben konnten, aber es hat sich sehr komisch angefühlt. Meiner Familie konnte ich zum Glück am Vortag über Zacchs Handy eine Nachricht schreiben, dass wir gut angekommen sind. Aber es hat sich trotzdem gut angefühlt, ein bisschen zu berichten und zu telefonieren.
Am Nachmittag sind wir dann auf eine Beerdigung gegangen. Das ist hier aber keine so traurige Angelegenheit wie in Deutschland, sondern man feiert das Leben und freut sich, das der/die Verstorbene gut bei Gott aufgehoben ist. Die Beerdigung fing schon am Freitag an, und damit auch die laute Musik, die von da an Tag und Nacht gespielt wurde. Es wurden auf dem Platz gegenüber der Schule mehrere riesige Zelte aufgebaut, Kunstrasen ausgerollt, hunderte Klappstühle ausgestellt und eine Art Altar mit Fotos der Verstorbenen und ihrer Familie aufgestellt. Im Laufe des Wochenendes kamen alle möglichen Leute, um der Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Auch der König (laut Johanna gibt es davon acht in Ghana) schaute am Samstag mit seinem Gefolge in einer schwarzen Limousine vorbei. Am Sonntag ist die traditionelle Farbe für Besucher weiß, also haben wir uns alle weiße Sachen angezogen und sind mit einem der Hausbewohner (irgendwann weiß ich den Namen!) rübergegangen. Als erstes mussten wir eine Runde an den Zuschauern vorbei drehen und winken. Das war mir wieder sehr unangenehm, es hat sich so angefühlt als wären wir die Königsfamilie oder so. Dann durften wir uns endlich setzen. Die Familie hatte keine Kosten und Mühen gescheut: Jeder Besucher bekam eine Flasche Wasser auf einem Tablett serviert, es gab eine Band, die aus mehreren Sängern und zwei Percussionisten bestand und eine Frau im Anzug nahm die Ankommenden in Empfang und zeigte ihnen ihre Plätze. Eine Frau schrie ins Mikrofon, wer welche Dinge geschenkt hat. Im Laufe der Veranstaltung kamen und gingen die Leute und die Winke-Runde einmal durchs Zelt musste jeder machen. Immer wieder kamen Leute zu uns, um uns in Offinso Willkommen zu heißen und fragten uns, ob wir tanzen werden. Bevor man sich auf den Weg macht, ist das nämlich eine Art, Respekt vor der Verstorbenen zu zeigen. Unser Begleiter meinte zu uns, dass er nicht gerne tanzt und versuchte, verschiedene Leute zu überzeugen, dass wir einfach so gehen können, aber vergebens. Zum Glück waren wir nicht die einzigen auf der Tanzfläche und ich habe einfach nicht auf die vielen Menschen geachtet, die uns wahrscheinlich zuschauten. Das habe ich ja schon in der Mottowoche gelernt 🙂 Der Tanz war auch nicht schwer nachzuahmen: Man hat einfach ein ein paar Schritte im Rhythmus gemacht und dabei immer abwechselnd beide Fäuste aufeinander gelegt (das ist jetzt wahrscheinlich nicht ganz so verständlich erklärt). Unser Begleiter konnte sich dann doch vor dem Tanzen drücken, indem er uns dabei gefilmt hat.
Abends haben wir uns die letzten Tage immer zu sechst zusammengesetzt und Spiele gespielt. Dann hat es sich irgendwie so eingebürgert, dass wir immer eine Runde Uno spielen, um eine Entscheidung zu treffen, zum Beispiel, wer den Abwasch macht oder eine Email schreibt.

Aber an diesem Tag haben wir aber ein bisschen was mit den anderen Mädchen gemacht: Die Mädels haben uns ein Seilspring-Spiel gezeigt und anschließend haben wir uns noch unterhalten. Die älteste Tochter von Zacch, Anne, ist 14 Jahre alt und hat uns von ihren Hobbies berichtet: Schwimmen, Schachspielen und Fußball. Mit Johanna, die etwas jünger ist, haben wir uns schon vorher etwas angefreundet: Sie hat uns die Schule gezeigt und wir haben gemeinsam mit Oliver, ihrem Bruder, Memory, Twister und Fußball gespielt. Alle drei sind total offen und neugierig. Hier in der Nähe gibt es ein Hotel mit einem Pool, da können wir bestimmt mal zusammen hinfahren.