09.09.2024
Am Montag sind wir mit einem Trotro nach Kumasi gefahren. Zebina, einer unserer Mitbewohner, hat uns begleitet. Der Plan war, die Ghana-Non-Citizen-Card zu beantragen, zu dem MTN-Network Office zu gehen, um uns mehr Datenvolumen zu kaufen und zu einem Supermarkt in einer Shopping Mall zu fahren. Bereits der Hinweg war ein Abenteuer. Trotros sind Kleintransporter, in die Sitzplätze für 20 Leute eingebaut sind. Das Gepäck wird auf dem Dach oder im übrig gebliebenen hinteren Teil verstaut – Teilweise so viel, dass die Türen hinten nicht mehr zu gehen und es mit Seilen zugebunden werden muss. Das Trotro, mit dem wir gefahren sind, war in einem relativ guten Zustand, manche sehen aber wirklich so aus, als ob sie bald auseinander fallen. Zacch hat uns erzählt, dass die meisten gebraucht aus Europa importiert werden.

Eine Fahrt nach Kumasi kostet 10 Cedis pro Person, was ungefähr 60 Cent entspricht. Halbvoll ist das Auto dann mit offener Tür losgefahren, um zwischendurch noch ein paar Leute einzusammeln. Die Sitze waren viel zu klein, sodass ich zwischen Ruben und einem fremden Typen eingequetscht war, der mit einer digitalen Gebetskette auf seinem Handy gebetet hat.

Kumasi hat große Ähnlichkeiten zu Offinso, nur das noch mehr Menschen herumlaufen, noch mehr Stände zu sehen und die Häuser auch mal mehrgeschossig sind. Zwischendurch gibt es dann an manchen Stellen ein modernes Glas- oder ein schickes Regierungsgebäude.

Auf den Straßen ist so viel los, dass wir immer mal wieder im Stau steckten. Der kam auch zustande, weil es nicht so richtige Vorfahrtsregeln gibt, sondern sich alle schnell in eine Lücke schieben und die Motorradfahrer kreuz und quer durch die Straßen jagen. In diesem Chaos wurden wir rausgeschmissen und haben uns dann von einem Taxi zu dem Regierungsbüro fahren lassen. Die Sache mit der Non-Citizen-Card hat natürlich wie immer sehr viel länger gedauert, als gedacht. Das ist übrigens ein Ausweis, den wir dann statt unserem Reisepass benutzen können, solange wir noch nicht die Resident Permit haben.
- Einer Beamtin unsere Telefonnummer geben und die Frage beantworten, ob wir das erste Mal in Ghana sind.
- In der daneben liegenden Bank warten, bis wir erfahren haben, dass wir eine Gebühr von 1900 Cedis (= 109 Euro) bezahlen müssen.
- Da man nicht mit Karte zahlen konnte, sind wir zum Automaten vor die Tür, der hat aber nur beim ersten Mal das gewünschte Geld ausgezahlt, dann ging er nicht mehr. Nach circa einer halben Stunde konnten wir es wieder versuchen, allerdings ist mir da aufgefallen, dass ich meine Pin von meiner Visa-Karte nicht dabei hatte. Aber zum Glück hat es dann auch mit meiner normalen Girokarte geklappt.
- Dann wieder zurück in die Bank und warten, bis wir wieder an der Reihe sind (das war laaange).
- Dann wieder zurück ins Büro. Dort mussten wir einen Fragebogen ausfüllen mit den Infos aus dem Reisepass und Infos über unsere Eltern etc..
- Anschließend wurde noch ein Foto gemacht und die Infos in den Computer eingetippt.
- Und schließlich die Karte gedruckt.
Ein etwas umständlicher Prozess.
Einer nach dem anderen kam heraus, nur Ruben nicht. Durch einen Fehler im System konnte seine Karte nicht beantragt werden, aber das haben wir erst nach einer weiteren Stunde des Wartens erfahren. Ein Wunder, dass Zebina so viel Geduld mit uns hatte.

Er hat uns dann den Weg zur Shopping Mall gezeigt und ist wieder zurück nach Offinso gefahren. Beim Einkaufszentrum angekommen haben wir dann um 16 Uhr endlich etwas gegessen. Der Supermarkt hatte allerdings zu, sodass wir auch diesen Punkt nicht von unserer to-do-Liste streichen konnten.
Die Rückfahrt gestaltete sich ebenfalls als schwieriger als gedacht. Eigentlich hatte uns Zebina nur gesagt, dass wir spätestens um 17:30 Uhr ein Trotro zurück nach Offinso nehmen sollten. Aber als wir dort um 17 Uhr ankamen, gab es eine meterlange Schlange, in der wir zwei Stunden gewartet haben. Zwischendurch wurde es dunkel und riesige Fledermäuse kamen raus. Mücken zum Glück nicht so viele – Wir hatten ja kein Spray dabei.

Als wir schon fast vorne in der Schlange standen, kamen irgendwann keine leeren Trotros mehr. Zacch hat uns angerufen und gemeint, dass wir ein Taxi nehmen sollen, weil die Straße nachts wegen Bauarbeiten gesperrt ist. Also haben wir uns ein Taxi organisiert und Zacch hat den Fahrer am Telefon von 5.000 auf 500 Cedis heruntergehandelt. Das mit dem Verhandeln ist hier üblich und uns wurde auch gesagt, dass von uns Weißen mehr verlangt wird, weil davon ausgegangen wird, dass wir mehr Geld haben (was ja auch stimmt). Jedenfalls saßen wir dann zu siebt in einem Auto mit fünf Sitzen, mit Jenny und mir im Kofferraum. Und weil wir fast zwei Stunden unterwegs waren, habe ich mal meinen ersten Blogartikel geschrieben. Bei jedem Schlagloch sind wir an die Decke gehüpft und da wir nicht auf der Hauptverkehrsstraße fahren konnten, war die Straße teilweise nicht asphaltiert oder komplett kaputt. In einer engen Nebenstraße ist der Fahrer dann in einem Gebäude verschwunden um Medizin zu kaufen und weiter ging die Fahrt durch die Dunkelheit. Irgendwann sind wir an einer Straßensperre mit Polizei vorbeigekommen, die haben einmal durchs Auto geleuchtet und wir mussten umdrehen. Eine halbe Stunde später kam die nächste, aber da hat der Fahrer dem Polizisten ein paar Cedis in die Hand gedrückt und wir durften weiter. Weil es hier um sechs Uhr schlagartig stockdunkel wird, hatte ich das Gefühl, dass wir erst um Mitternacht wieder da waren, dabei war es 21 Uhr. Und die lieben Mädels haben uns wieder Abendbrot hingestellt.
Das heißt also, von unseren drei Programmpunkten haben wir nur einen abgearbeitet – Und auch den nicht vollständig.