15.06.2025
Das Osterwochenende war das erste Wochenende in den Ferien. Danach hatten wir noch zwei Wochen frei. In der ersten Woche waren Inga und ich in Offinso bzw. Anyinasuso und haben verschiedene Sachen erledigt. Meine Oma hatte mir eine Brotbackmischung geschickt und die haben wir mit Roberts Ofen ausprobiert. Die Hefe hat den Flug glaube ich nicht überlebt, jedenfalls ist es gar nicht aufgegangen. Aber trotzdem war es total lecker. Ich hätte nie gedacht, dass ich deutsches Brot einmal so zu schätzen weiß.

Ich habe auch noch unsere Zimmerwand etwas verschönert und noch zwei weitere Alphabete für die erste und dritte Klasse laminieren lassen. Und natürlich viel Trompete und Gitarre gespielt. Manchmal sind ein paar Kinder aus meiner Klasse zu Besuch gekommen und wir haben zusammen einen Film geguckt, Spiele gespielt oder getanzt.

In der zweiten Woche sind Inga und ich dann nach Busua gefahren. Der kleine Fischerort liegt an der Küste und ist ein Surfhotspot, weshalb er auch gut von Touristen besucht ist. Ein Surflehrer hat mir erzählt, dass zur Festival-Saison mehr Touristen als Einwohner dort sind. Aber als wir dort waren, war nicht so viel los. Trotzdem waren Weiße im Straßenbild nichts Besonderes, weshalb wir keine besondere Aufmerksamkeit bekommen haben und das habe ich sehr genossen. Busua liegt in einer Bucht mit wunderschönem und sauberem Sandstrand. Unser Hotel lag direkt am Strand und ich fand es sehr interessant zu sehen, wie das Fischen mit den relativ kleinen Holzbooten funktioniert. An einem Tag wurden zwei riesige Tintenfische gefangen. Und am Abend hat man die Lichter der Boote draußen auf dem Meer gesehen und es sah ein bisschen aus, als wäre dort eine Stadt.




Ich habe mir ein paar Surfstunden genommen und das hat richtig Spaß gemacht. Beim ersten Mal hatte ich unglaublich Muskelkater, weil die Wellen an dem Tag schon ordentlich Kraft hatten. An den nächsten Tagen hat es zum Glück nicht so sehr gestürmt. In den Surfstunden gab es immer einen Lehrer, der mit mir im Wasser war und mir gesagt hat, welche Welle ich nehmen soll, in welche Richtung ich surfen muss und was ich noch verbessern kann. Im August fahre ich vielleicht mit Caro nach Kokrobite, dort kann man auch gut surfen, denn ich habe richtig Lust, das noch einmal zu machen.

Ansonsten haben wir noch eine Wanderung am Strand entlang in den Nachbarort unternommen und dort eine Kanutour gemacht. Das Essen in Busua war auch richtig gut und die Leute alle so offen und entspannt.



Am Dienstag war theoretisch erster Schultag und ich mal wieder etwas erkältet. Caro war noch mit ihrer Mutter und dessen Freund unterwegs, die sie für zwei Wochen besucht haben. Also habe ich mich alleine auf den Weg zur Schule gemacht. Das Tor war auch um 9 Uhr noch verschlossen, also habe ich Nana gefragt, ob doch keine Schule ist. Sie meinte, es wäre kein Schüler gekommen. Auch am Dienstag habe ich mich auf den Weg gemacht, aber da habe ich nur Eric in der leeren Schule gefunden. Die Kinder sind alle erst am nächsten Montag wiedergekommen. Also hatte ich die Woche noch zum Auskurieren, das war auch ganz schön.
Am nächsten Montag hat die Schule dann normal gestartet und alles war wie immer. Letzte Woche habe ich eine Weltkarte mitgebracht, die wir in den Ferien in Offinso haben Drucken lassen. Damit habe ich versucht, ihnen die Kontinente und Himmelsrichtungen näher zu bringen und anschließend ein Quizz gemacht, welches Land auf welchem Kontinent zu finden ist.

Uuund am Wochenende war Rahinas Hochzeit. Am Freitag kam eine Frau zu uns nach Hause, die ihr Henna-Muster auf Hände und Füße gemalt hat. Anschließend wurde alles mit einer speziellen Erde rot eingefärbt. Bei dem Prozess waren nur Frauen anwesend, sie haben währenddessen um Rahina herum getanzt, geklatscht und gesungen. Dann wurde den ganzen Abend Musik gespielt und getanzt. Caro und ich haben auch ein kleines Henna-Tatoo bekommen.

Am nächsten Tag gab es eine große Feier von Rahinas Familie auf dem Platz vor der Schule. Vormittags wurden Zelte und Stühle aufgestellt und alles schön dekoriert. Mittags ging die Feier los: Rahina hat in wunderschönen Kleidern in der Mitte getanzt und nach und nach ist jeder mal zu ihr gegangen und hat mit ihr getanzt. Eine Tradition ist es auch, der Braut Geld als Geschenk zuzuwerfen, wenn man in die Mitte kommt.

Selbst als Caro und ich nur am Rand mitgetanzt haben, haben wir eine richtige Zuschauerschaft angezogen, die interessiert über uns geredet oder uns gefilmt haben. Kommt halt nicht so häufig vor, dass Weiße auf einer Hochzeit tanzen. Aber so war ich doch ganz froh, dass ich es nicht im Zentrum aller Aufmerksamkeit machen musste (als Caro gefragt wurde, war ich grad im Zimmer und habe telefoniert). Die ausgelassene, feierliche Stimmung war toll und ich fand es auch schön zu sehen, dass alle beim Kochen und Vorbereiten mit angefasst haben.
Am nächsten Tag sollte die offizielle Trauung stattfinden, denn am Samstag war der Bräutigam, er heißt übrigens Bongo, noch gar nicht anwesend. Also wurde wieder groß gekocht, um Bongos Familie in Empfang zu nehmen. Die wollten alle herkommen und anschließend Rahina zur Trauung mitnehmen. Aber es wurde später und später und niemand kam. Irgendwann habe ich schon mein Kleid wieder ausgezogen und angefangen, einen Film zu schauen. Nachmittags habe ich dann einmal Zac gefragt und da meinte er, dass Rahina längst abgeholt worden sei. Fast niemand hatte das mitbekommen. Das Problem war, dass Bongos Familie irgendwie kein Auto hatte, was groß genug für alle war. Tja, also deshalb gab es an dem Tag dann kein Fest mehr. Von Rahinas Seite ist glaube ich auch kaum jemand zur Trauung gefahren.
Ich fand das Wochenende richtig schön. Wir konnten ab und zu beim Kochen und Vorbereiten mithelfen, mit den Kindern spielen und das Tanzen hat auch richtig Spaß gemacht. Aber dann war es am Montag auch gut, dass wieder etwas Stille in unser Haus eingekehrt ist. Zur Hochzeit sind nämlich alle möglichen Verwandten angereist, die auch alle bei Nana und Rahina übernachtet haben. Also war die ganze Zeit ordentlich was los und es wurde wirklich pausenlos an unsere Tür geklopft und nach Uno, Mogelmotte, Handyspiel, Film oder Stiften gefragt. Rahina wird mir zuhause fehlen, vor allem, weil sie immer gut übersetzen konnte und wir schon manchmal interessante Gespräche geführt haben.
Jetzt sind es noch 6 Schulwochen bis zu den Sommerferien. Ich habe noch ein paar Ideen zum Basteln und Musikmachen, deshalb freue ich mich auf die restliche Zeit. Aber dann ist es auch gut, wieder zuhause zu sein.