Unter dem Mangobaum

23.03.2025

Vor einer Woche sind wir nach Anyinasuso in unser neues Zimmer gezogen. Insgesamt hat der Bau ungefähr einen Monat gedauert.

Letzten Samstag mussten Caro und ich noch eine Wand und die Kante zum Boden zuende streichen und wollten noch einmal durchwischen.

Das hat doch etwas länger als gedacht gedauert, sodass wir erst um 14 Uhr zurück in Offinso waren und um 16 Uhr eigentlich umziehen wollten. Also mussten wir schnell etwas zu Mittag essen und dann unser Zimmer ausräumen. Unser Bett war wieder die größte Herausforderung. Nur mit Nancys Hilfe konnten Caro, Inga und ich es durch den vorderen Türrahmen stemmen. Jetzt sieht es noch ein bisschen mehr wie ein abgeschrabbeltes Gefängnisbett aus. Als ich einmal eine Woche erkältet in unserem alten Zimmer lag (das hat ja auch so Gitterstäbe) und Prison Break geguckt habe, habe ich mich wirklich ein bisschen eingesperrt gefühlt :)).

Aber in unserem wunderschönen neuen Zimmer stört es gar nicht so sehr. Wir haben uns ein Regal bei einem Tischler in Offinso bestellt, das dann praktischerweise nach unseren Vorstellungen angefertigt wurde. Einen kleinen Tisch habe ich vor zwei Wochen selber gebaut, genauso wie zwei Regalbretter, die wir mit Winkeln an die Wand geschraubt haben. Und Nana hat uns eine Matte für den Boden gegeben. Mit ein paar Bildern an der Wand haben wir es uns noch etwas wohnlicher gemacht.

Jetzt sind wir endlich raus aus unserem alten, kleinen, schimmligen, dreckigen, Mäuse-Zimmer mit dem Schrank, der immer in sich zusammenfällt.

Unser Sauberkeitsanspruch ist hier definitiv gestiegen, bis jetzt haben wir immer einmal am Tag durchgefegt und lassen unsere Schlappen immer schön draußen stehen. Dafür können wir jetzt ganz gemütlich auf unserem „Teppich“ auf dem Boden sitzen und reden, essen, Gitarre spielen oder einfach chillen.

Wir haben wieder eine recht große Gastfamilie:

– Rahina, die Halbschwester von Zac

– Ihre Tochter Rafia

– Ihr Neffe Raouf

– Ihre Mutter Nana

– Ihre Schwägerin Amama

– Amamas fünf Kinder Rahim (in meiner Klasse), Hafis (in Caros Klasse), Bugi (in der Dritten), Buhari (im Kindergarten) und Samia (1,5 Jahre)

Rahinas Schwester Barkisu wohnt auch in der Nähe, sie ist die „Canteen Lady“ in der Schule und kocht auch für uns. Ihre zwei Kinder sind eigentlich auch immer zum Spielen hier.

So sieht das Haus von unserer Gastfamilie aus. Die ganz rechte Tür ist unsere.

Im Gegensatz zu Offinso haben wir hier ja kein fließendes Wasser. Das holen wir uns an einem großen Wassertank gegenüber der Schule, also vielleicht zwei Minuten zu Fuß entfernt, und haben eine große Wassertonne zur Aufbewahrung.

Duschen tuen wir mit Eimern draußen in einer Kabine ohne Dach und das ist wirklich so ein schönes Gefühl. Denn mitten auf dem Hof steht ein riesiger Mangobaum (die Mangos werden bald auch reif), dass heißt, beim Duschen hat man nur das grüne Blätterdach über sich. Ein Foto von dem Plumpsklo kennt ihr ja schon. Das haben wir die letzten Monate in der Schule schließlich auch immer benutzt, also sind wirs schön länger gewöhnt.

So werden die kleinen Mengen über dem Feuer gekocht. Für das Schulessen gibt es aber auch einen großen Kessel wie in Offinso.

In Offinso habe ich ja nicht so gerne in unserem Zimmer meine Instrumente gespielt, weil immer irgendwer da war und ich niemanden stören wollte. Hier finde ich es aber gar nicht so furchtbar schlimm und Caro meinte zum Glück auch, dass nicht einmal mein Trompetespielen sie stört. Unsere Gastgeschwister kommen immer sehr neugierig an und luken durch die Fenster. Einen Abend habe ich mich mal nach draußen gesetzt und mit ihnen zusammen ein paar Lieder gespielt. Und das hat wirklich erstaunlich gut funktioniert und so viel Spaß gemacht, dass ich meine Gitarre am nächsten Tag mit in meine Klasse genommen habe und mit den Kindern ein Lied geübt habe. Das einfachste, was mir in dem Moment in Englisch und für Gitarre eingefallen ist, war „What shall we do with the drunken sailor“. Das habe ich auch in der vierten Klasse im Musikunterricht gesungen. Ohne den Cane habe ich ja keine so besonders große Autorität in der Klasse, sodass manche auch in den hinteren Reihen herumgelungert oder Quatsch gemacht haben, aber die meisten saßen vorne zusammengedrängt und haben kräftig mitgesungen. Und es hat echt Spaß gemacht. Das kann ich auf jeden Fall öfter machen, wenn Eric mal nicht da ist.

Neulich wollte eine Kuh unsere Mangos essen. Schafe und Hühner laufen hier auch die ganze Zeit herum.

Ich fühle mich jetzt schon richtig wohl hier. Mit Rahina und Amama konnten wir schon viel mehr offen unsere Wünsche kommunizieren, Nana bringt uns regelmäßig neue Twi-Vokabeln bei und zeigt uns, wie sie kocht, wir sind schon zum Gottesdienst am Sonntag und zum Abschlussfest des Ramadans eingeladen und Rahina hat uns von Hochzeiten vorgeschwärmt, auf die wir mitkommen können.

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